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Forscher warnen vor Hinauszögern des Wendepunkts bei CO2-Emissionen

Um die Risiken des Meeresspiegelanstiegs zu begrenzen ist es entscheidend, so früh wie möglich den Scheitelpunkt der CO2-Emissionen zu erreichen – selbst wenn die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C begrenzt wird.

Potsdam (afp) > Jeder Aufschub bei der Senkung von Treibhausgas-Emissionen führt zu einem stärkeren Anstieg des Meeresspiegels – selbst wenn es gelingen sollte, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Das ist das Ergebnis einer neuen wissenschaftlichen Studie, die am Dienstag vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) verbreitet wurde. Der PIK-Forscher und Leitautor der Studie, Matthias Mengel, sprach von einem “Meeresspiegel-Vermächtnis” durch bisherige oder künftige Emissionen. Die in der Fachzeitschrift “Nature Communications” veröffentlichte Studie untersucht den Anstieg des Meeresspiegels, der selbst bei einer vollständigen Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens eintreten dürfte. Zu erwarten ist nach den zentralen Projektionen der Wissenschaftler bis 2300 ein Anstieg zwischen 70 Zentimeter und 1,20 Meter. Es könnte allerdings auch mehr sein. “Der menschengemachte Klimawandel hat bereits jetzt einen gewissen Anstieg des Meeresspiegels für die kommenden Jahrhunderte vorprogrammiert, aber das bedeutet nicht, dass unser heutiges Handeln keinen großen Unterschied macht”, erklärte dazu Mengel. Vielmehr könne jede Verzögerung um fünf Jahre zwischen 2020 und 2035 einen zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels um 20 Zentimeter bedeuten.

Anstieg des Meeresspiegels um bis zu drei Meterist möglich

Der Studie zufolge sind die noch erfolgenden Treibhausgas-Emissionen bis 2050 die wichtige Stellschraube für das Ausmaß des künftigen Meeresspiegel-Anstiegs. Dieser wird ausgelöst durch die Erwärmung und damit die Ausdehnung der Ozeane sowie das Abschmelzen von Gletschern und Eiskappen sowie vor allem der riesigen Eisschilde Grönlands und der Antarktis. Die Forscher berücksichtigen in ihrer Studie neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach die Eismassen der Antarktis empfindlicher auf die Erwärmung der Atmosphäre reagieren als zuvor angenommen. Demnach “könnten große Eismasseverluste der Antarktis selbst bei einer mäßigen Erwärmung möglich sein, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen wäre”, erklärte dazu Mengel. Selbst ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu drei Meter bis 2300 kann demnach nicht völlig ausgeschlossen werden. “Im Pariser Klima-Abkommen ist ein möglichst früher Scheitelpunkt der Emissionen festgeschrieben”, mahnte Ko-Autor Carl-Friedrich Schleussner vom PIK und dem Institut Climate Analytics. “Das mag wie eine leere Phrase klingen, doch unsere Ergebnisse zeigen, dass es quantifizierbare Folgen gibt, wenn die entsprechenden Maßnahmen verzögert werden.” Da für Millionen Menschen in Küstengebieten jeder Zentimeter höherer Meeresspiegel von Bedeutung sein könne, sei bereits heute “die unmittelbare Senkung der CO2-Emissionen entscheidend”.

 

 

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