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Mehr Transparenz bei Studien zur Lebensmittelsicherheit

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Die EU-Kommission reagiert auf die Debatte rund um die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat und möchte bei wissenschaftlichen Studien im Bereich der Lebensmittelsicherheit mehr Transparenz schaffen.

Von Peter Esser

Brüssel (afp) > Die EU habe bereits sehr strenge und auf wissenschaftlichen Gesichtspunkten basierende Regeln, aber die Bürger müssten sicher sein, dass das System weiterhin gut funktioniere, sagte Kommissionsvize Frans Timmermans am Mittwoch in Brüssel. Deshalb sollen “alle Studien, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) für ihre Bewertungen heranzieht, automatisch veröffentlicht und für jeden zugänglich gemacht werden”, präzisierte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. In besonderen Fällen, etwa bei umstrittenen Substanzen, soll es der Kommission zufolge künftig auch möglich sein, die Efsa dazu anzuhalten, zusätzliche, von der EU bezahlte Studien in Auftrag zu geben. Außerdem sollen die Mitgliedsstaaten enger in die Bewertungsverfahren einbezogen werden. Sie sollen an der Ernennung der Experten, mit denen die Efsa arbeitet, beteiligt werden.

Die EU-Kommission reagiert mit diesem Vorschlag auf die Debatte rund um die erneute Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat. Ende November 2017 hatten die EU-Staaten nach langem Streit beschlossen, die Zulassung des Pestizids um fünf Jahre zu verlängern. Eine Glyphosat-kritische Bürgerinitiative, die mehr als eine Million Unterschriften erreichte, forderte unter anderem mehr Transparenz bei Zulassungsverfahren von Pestiziden. Verschiedene Studien waren bei der Frage, ob das Mittel krebserregend ist, zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Die Efsa hatte Glyphosat als “wahrscheinlich nicht krebserregend” eingestuft. Glyphosat-Gegner werfen der Behörde vor, sich von der Pflanzenschutzmittel-Industrie beeinflusst haben zu lassen. Im März hat deshalb auch ein Untersuchungaussuchuss im Europa-Parlament zur Zulassung von Pestiziden seine Arbeit aufgenommen. Geprüft werden soll laut Mandat unter anderem die “Qualität von Studien”, auf die sich die Experten aus den Mitgliedstaaten sowie die EU-Agenturen für Lebensmittel und Chemikalien stützen.

Ferner soll der Ausschuss eine etwaige Einflussnahme der Industrie auf das Zulassungsverfahren prüfen und mögliche Interessenkonflikte unter die Lupe nehmen. Dabei geht es nicht zuletzt um Berichte, nach denen der Glyphosat-Hersteller Monsanto massiven Einfluss auf Studien über die Auswirkungen des Unkrautvernichters auf die menschliche Gesundheit genommen haben soll.

 

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