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EU-Parlament verabschiedet neue Vorgaben für Müllverwertung

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Etwa 100.000 Tonnen Plastik landen jährlich in den europäischen Meeren, ganze Berge von Hausmüll auf Deponien. Zur Beendigung dieser Missstände hat das Europaparlament am Mittwoch vier Gesetze verabschiedet, die das Recyceln von Abfällen deutlich ankurbeln sollen.

Straßburg (afp/csr-news) > Deutschland erfüllt die Vorgaben bereits – mit einer Recyclingquote von 66 Prozent ist die Bundesrepublik Spitzenreiter in der EU. Den vom Europaparlament verabschiedeten Gesetzen zufolge müssen bis zum Jahre 2030 mindestens 60 Prozent der Haushaltsabfälle recycelt werden, bis 2035 muss die Quote 65 Prozent betragen. Von allen Verpackungen müssen bis 2030 zudem 70 Prozent wiederverwendet werden, wobei für Pappe, Kunststoffe, Glas, Metall und Holz unterschiedliche Zielvorgaben gelten.

Den neuen Vorschriften zufolge müssen Textilien und “gefährliche Abfälle” aus Haushalten, etwa Batterien oder Akkus, ab 2025 getrennt gesammelt werden. Biologisch abbaubare Abfälle müssen ebenfalls in Spezialcontainern entsorgt oder zu Hause kompostiert werden. Bis 2035 soll zudem der Anteil von Hausmüll, der auf Deponien landet, auf maximal zehn Prozent reduziert werden. Deutschland, Belgien, Dänemark und Österreich verzichten bereits seit 2014 auf diese für die Umwelt besonders schädliche Entsorgung. In Griechenland, Lettland, Malta, Kroatien und Zypern hingegen landen noch mehr als drei Viertel der Abfälle auf Müllkippen.  “Abfalldeponien sollten zum Auslaufmodell werden, Recycling zum lohnenden Geschäftsmodell”, betonte der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen. Bei den Verhandlungen mit dem Rat der EU-Staaten habe das Parlament durchgesetzt, Abfälle in den Meeren und Nahrungsmittelabfälle bis 2030 zu halbieren.

Ziel sei es, möglichst viele Rohstoffe so lange wie möglich zu verwenden, erläuterte der CDU-Umweltexperte Karl-Heinz Florenz. Die EU könne es sich nicht leisten, weiterhin jährlich 2,5 Milliarden Tonnen Rohstoffe zu verlieren, weil diese nicht wiederverwendet werden. Die EU will auch die Berechnungsmethode für die Recycling-Quote vereinheitlichen: Aktuell gilt in vielen Ländern – darunter auch Deutschland – schon das als recycelt, was zur Wiederverwertung gesammelt oder vorsortiert wird. Mit der neuen Regulierung würden Abfälle nur als recycelt gelten, wenn sie die Sortierbetriebe tatsächlich wieder als Rohstoff verlassen. Unter diesen Voraussetzungen würde die deutsche Quote von 66 Prozent auf 52 bis 47 Prozent fallen, wie es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) heißt.

Auf die neue Abfallrichtlinien hatten sich Unterhändler des Parlaments und der EU-Staaten bereits im Dezember geeinigt. Die Vorschriften können daher in Kürze in Kraft treten. Laut IW-Analyse nimmt die Müllmenge in Europa generell ab – zwischen 2005 und 2016 um vier Prozent. Deutschland ist allerdings eine Ausnahme: Hier stieg der Müllberg in dem Zeitraum um elf Prozent. Jeder Deutsche produzierte 2016 im Schnitt 626 Kilo Müll. Damit war Deutschland EU-weit auf Platz vier. Spitzenreiter sind die Dänen mit 777 Kilogramm pro Kopf.


Abfallwirtschaft in der EU: Zahlen und Fakten:

Auch wenn Siedlungsabfälle weniger als ein Zehntel der insgesamt 2,5 Milliarden Tonnen Abfall ausmachen, die pro Jahr in der EU anfallen, sind sie sehr sichtbar. Siedlungsabfälle sind zudem aufgrund ihrer Zusammensetzung, den verschiedenen Entstehungsquellen und den Verbrauchsgewohnheiten sehr komplex.

Abfallerzeugung in Europa

Im Zeitraum von 2005 bis 2016 ist die durchschnittliche Menge an Siedlungsabfällen pro Person in der EU um 7 Prozent zurückgegangen. Dennoch sind für die einzelnen EU-Mitgliedsländer unterschiedliche Trends erkennbar: So gibt es zum Beispiel in Dänemark, Deutschland, Griechenland, Malta und Tschechien Zuwächse. Einen Rückgang der Werte verzeichnen Bulgarien, Spanien, Ungarn, Rumänien und die Niederlande.

Die höchsten Mengen in absoluten Pro-Kopf-Zahlen fallen in Dänemark, Malta, Zypern und Deutschland an. Die niedrigsten Werte gibt es in Rumänien, Polen, Tschechien und der Slowakei. In wohlhabenderen Ländern wird tendenziell mehr Abfall pro Person produziert. In Zypern und Malta ist auch der Tourismus für die höheren Mengen mitverantwortlich.

Abfallwirtschaft

Die beste Option für die Umwelt ist natürlich die Vermeidung von Müll. Die Gegenstände, die wir nutzen und konsumieren, werden jedoch früher oder später zu Müll, der entsorgt und behandelt werden muss. Gemäß der in den EU-Vorschriften verankerten „Hierarchie für die Abfallbewirtschaftung“ sind die Vermeidung und Wiederverwendung (also die Wiedernutzung eines Produkts, bevor es zu Abfall wird) die bevorzugten Optionen. Darauf folgen Recycling (einschließlich Kompostierung), andere Formen der Verwertung, etwa die Müllverbrennung zur Energiegewinnung (obwohl diese in einigen Ländern umstritten ist), und die einfache Abfallentsorgung, etwa auf Deponien, (wenn auch eine der billigsten, ist dies die für die Umwelt schädlichste Option).

Laut statistischen Erhebungen von 2016 werden 47 Prozent aller Siedlungsabfälle in der EU recycelt oder kompostiert. Allerdings sind die Entsorgungspraktiken in den einzelnen EU-Ländern sehr unterschiedlich. Einige Länder deponieren noch immer große Mengen an Siedlungsabfällen.

Das Deponieren von Müll kommt in Belgien, den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Deutschland, Österreich und Finnland, wo die Abfallverbrennung neben dem Recycling eine wesentliche Rolle spielt, kaum vor. Deutschland und Österreich sind zudem Europas Top-Länder in Sachen Recycling.

Mülldeponien sind in den östlichen und südlichen Regionen Europas weiterhin verbreitet: Zwölf Länder deponieren nahezu die Hälfte oder mehr ihrer Siedlungsabfälle (Malta, Griechenland, Zypern, Rumänien: 80 Prozent oder mehr; Kroatien, Lettland, Slowakei, Bulgarien: mehr als 60 Prozent; Spanien, Ungarn, Tschechien, Portugal).

Andere Länder (Estland, Luxemburg, Frankreich, Irland, Slowenien, Italien, Vereinigtes Königreich, Litauen, Polen) deponieren beinahe ein Drittel oder weniger ihrer Siedlungsabfälle, verbrennen aber auch Abfälle und recyceln mehr als 40 Prozent der Haushaltsabfälle (außer Estland).

Im Zeitraum von 2005 bis 2016 ist der Anteil der Deponierung in Estland, Finnland, Slowenien, dem Vereinigten Königreich, Irland, Rumänien, Bulgarien und Ungarn entscheidend zurückgegangen.

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