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“Food-to-go”-Trend wird zum Müllproblem

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Mit dem „Food-to-go-Trend“ geraten zunehmend mehr Einwegverpackungen und Einwegbecher in Umlauf. Die Langzeitstudie „Wahrnehmung von Sauberkeit und Ursachen von Littering“ der Berliner Humboldt-Universität bestätigt diesen Trend.

Von Jan Mueller

Zigarettenkippen an Haltestellen, Scherben auf Kinderspielplätzen, Parks voller Grillreste: Achtlos zurückgelassener Abfall vermüllt vor allem in der wärmeren Jahreszeit viele Innenstädte und stellt die kommunalen Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Doch anders als noch vor zehn Jahren bestimmen laut einer Langzeitstudie immer stärker Einweg-Kaffeebecher oder andere Food-to-go-Überreste das Bild. Dabei gibt es den Forschern zufolge im Kampf gegen die Vermüllung durchaus wirkungsvolle Maßnahmen – etwa aufgemalte Fußspuren, die den Weg zum Papierkorb weisen.

Take-away-Verpackungen als Müll im öffentlichen Raum würden von den Stadtbewohnern “signifikant häufiger” wahrgenommen als im Jahr 2005, erklärt Rebekka Gerlach von der Humboldt-Universität Berlin zu den Ergebnissen der Studie, die der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Im Gegensatz dazu ist das Problem durch Hundekot – noch 2005 als sehr häufig und extrem störend eingeschätzt – im Urteil der Befragten deutlich kleiner geworden. Der to-go-Trend wirkt sich dabei auch auf die Entsorgungsbetriebe aus: Take-away-Verpackungen seien “meist sehr voluminöses Material”, sagte Tanja Wielgoß, Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR). Am Berliner Alexanderplatz müssten die Mülleimer inzwischen teils drei Mal täglich geleert werden.

Allein aus den Parks in Köln würden an einem Sonntagmorgen 49 Tonnen Müll gesammelt, gibt auch VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche zu Bedenken. Die “Mediterranisierung” in Deutschland – bei der sich immer größere Teile des Lebens im öffentlichen Raum abspielten, sei zwar “einerseits schön, aber nicht jeder fühlt sich dafür zuständig”. Nötig sei deshalb der Dreiklang “Sammeln, Sinne schärfen, Sanktionieren”, forderte Reiche. Bußgelder seien dabei jedoch das letzte Mittel – auch weil dies mehr Personal erfordern würde. Grundsätzlich plädiert der VKU dafür, Hersteller und Anbieter von to-go-Verpackungen an den Reinigungskosten zu beteiligen. Außerdem müssten die Hersteller durch die Politik zu einem umweltbewussteren Design gelenkt werden.

Denkbar sei auch ein finanzieller Vorteil für Kunden, die einen Mehrwegbecher für Kaffee mitbringen, sagt Reiche. Eine bloße Steuer könne hingegen dazu führen, dass die Mehrkosten lediglich eingepreist und an die Kunden weitergegeben würden “ohne dass sich etwas ändert”. Dass sich das Verhalten aber durchaus bessern kann, zeigen die Studienergebnisse: Demnach können sowohl Appelle ans Unrechtsbewusstsein als auch konkrete Maßnahmen wie etwa Hundekot-Tütenspender sowie ein dosierter aber konsequenter Einsatz von Bußgeldern funktionieren. Auch ein starkes örtliches Verbundenheitsgefühl wirkt sich positiv aus.

Kontraproduktiv können hingegen ein bloßer erhobener Zeigefinger sein. “Keiner will gemaßregelt werden”, sagt BSR-Chefin Wielgoß. Helfen könnte hier ein sogenannter “Nudge” – ein “Stubs” in die erwünschte Richtung, der die Aufmerksamkeit umlenkt. Ein Beispiel hierfür sind wie in Köln grüne Fußspuren, die den Weg zur Tonne weisen. Allerdings lassen sich die Konzepte nicht beliebig übertragen. “Grüne Fußspuren würde man auf dem Alexanderplatz nicht sehen”, sagte Wielgoß. Insgesamt hat sich das Sauberkeitsempfinden dabei durchaus gebessert: Sowohl die Sauberkeit der Stadt als auch die Arbeit der Reinigungsunternehmen wird 2015 besser eingeschätzt als zehn Jahre zuvor. Als besonders kritisch gegenüber Verschmutzungen erweisen sich der Studie zufolge Kinder und Jugendliche.

Für die Langzeitstudie wurden neben Befragungen in mehreren Städten auch Blickbewegungsmessungen von Bewohnern erhoben und Leute interviewt, die auf frischer Tat beim “Littern” – so der Fachbegriff für das Wegwerfen von Müll im öffentlichem Raum – erwischt wurden. Nach den Ursachen gefragt geben hierbei die Ertappten meist an, dass kein Abfallbehälter in der Nähe sei – im Falle von anderen wird mit großer Mehrheit hingegen Faulheit oder Bequemlichkeit als Grund vermutet.

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