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Bundespräsident warnt vor “Polarisierung der Arbeitswelt”

© DGB/Simone M. Neumann

Zum Auftakt des Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer “Polarisierung der Arbeitswelt” gewarnt.

Berlin (afp) > “Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen werden an Brisanz gewinnen”, sagte Steinmeier am Sonntag in Berlin. Wenn hochqualifizierte und flexible Beschäftigte künftig mehr verdienten, bestehe “die Gefahr, dass für weniger qualifizierte und mobile Menschen am Ende des Monats weniger Arbeit bleibt”. Steinmeier forderte laut Redetext, Beschäftigte müssten “ihren Lebensunterhalt aus ihrem Einkommen aus Arbeit bestreiten können”. Dies gelte nicht nur für Industriearbeitsplätze – “auch Berufe in Bildung und Erziehung, vor allem in der Pflege, brauchen nicht nur eine angemessene Anerkennung, sondern vor allem eine angemessene Bezahlung”, sagte er.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann warnte zur Kongresseröffnung, dass die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland nicht über gravierende Missstände hinwegtäuschen dürfe. Es gebe zwar den einen Höchststand bei der Beschäftigung, zudem sei die Arbeitslosigkeit gesunken. Aber trotz dieser Rekorde seien rund 20 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor gefangen. Gleichzeitig öffne sich die Schere bei den Vermögen und Einkommen. “Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass es immer ungerechter zugeht”, erklärte Hoffmann. Der DGB setze sich gegen prekäre Arbeit und sachgrundlose Befristungen ein, für eine gute Alterssicherung und eine funktionierende öffentliche Infrastruktur, erklärte Hoffmann und ergänzte: “Kurz – für gute Arbeit und ein gutes Leben.” Dies sei “der richtige Weg”. Die Gewerkschaften gestalteten zudem die Arbeitsbedingungen in der Digitalisierung. “Der Mensch und nicht das technisch Machbare gehört in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung”, erklärte Hoffmann. Der DGB-Chef betonte zudem die “besondere Verantwortung” der deutschen Politik für das “Friedensprojekt” Europa. “Angesichts von Renationalisierung, zunehmendem Rechtspopulismus und Kleinstaaterei kommt es mehr denn je darauf an, das europäische Projekt zu stärken”, sagte Hoffmann mit Blick auf die Europawahl im kommenden Jahr.

Der DGB-Bundeskongress mit rund 400 Delegierten tagt bis zum kommenden Donnerstag unter dem Motto “Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit”. Dabei soll über eine Reihe von Themen beraten werden, darunter den digitalen Wandel, Mindestlohnkontrollen, gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie Steuergerechtigkeit. Am Montag werden unter anderem SPD-Chefin Andrea Nahles und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer an einer Talkrunde teilnehmen. Zudem stellt sich DGB-Chef Hoffmann zur Wiederwahl. Am Dienstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor den DGB-Delegierten sprechen. Der Bundeskongress ist das höchste Entscheidungsorgan des DGB. Die Delegierten aus den acht DGB-Gewerkschaften wählen unter anderem den vierköpfigen hauptamtlichen geschäftsführenden Bundesvorstand.

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