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Moral endet am Geldbeutel

Der Lidl-Haltungskompass: Transparente Haltungskennzeichnung für Frischfleisch. © Lidl Deutschland

Seit Anfang April kennzeichnet der Discounter Lidl seine Frischfleischprodukte mit einem eigenen Haltungskompass. Über erste Erfahrungen hat Lidl-Einkaufschef Jan Bock nun mit der Süddeutschen Zeitung gesprochen.

München (csr-news) > Auf jeder Verpackung Schweine-, Rind-, Puten- und Hähnchenfrischfleisch befindet sich inzwischen ein Hinweis darauf, wie die Tiere jeweils gehalten wurden. “Wir wollen unsere Kunden dabei unterstützen, eine bewusste Kaufentscheidung für eine tierwohlgerechtere Haltung zu treffen. Ab sofort ist die jeweilige Haltungsform transparent und direkt auf der Verpackung erkennbar”, sagte Jan Bock, Lidl-Einkaufschef, bei der Einführung der Kennzeichnung. An der Preisgestaltung sollte sich dadurch erst einmal nichts ändern. “Naturgemäß kosten Bio-Artikel in der Stufe 4 mehr als konventionelle Ware. Und schon heute liegen Produkte in der Stufe 3 ‘Außenklima’, die unter anderem an die Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes angelehnt sind, preislich höher als in den Stufen 1 und 2”, sagt Bock.

Dafür bekam der Discounter Zuspruch auch von unerwarteter Seite. So begrüßte unter anderen, die Tierschutzorganisation PROVIEH den Vorstoß. Die Organisation fordert seit Jahren eine flächendeckende gesetzliche Haltungskennzeichnung von Fleisch. „Während die Politik diesbezüglich nichts unternimmt, ist nun der Handel voran geprescht“, so die Umweltschützer. Gleichzeitig hielten sie die Kriterien des Haltungskompasses für unzureichend. Dabei hatte Jan Bock mit mehr negativen Stimmen gerechnet, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte. Dennoch bezweifelt Bock, dass Verbraucher zukünftig zu den teureren Produkten aus besserer Tierhaltung greifen. Bock: “Leider sieht man bei Nachhaltigkeitsthemen immer wieder, das jeder sagt, ich bin dafür, es besser zu machen. Doch die Moral endet oft am Geldbeutel, das ist nach unserer Erfahrung so.” Insgesamt glaubt Bock aber an den Erfolg der Initiative und verweist im Interview auf die Erfahrungen im niederländischen Lebensmitteleinzelhandel.


Der Lidl Haltungskompass:

Stufe 1 Stallhaltung
Entspricht den gesetzlichen Bestimmungen.
Stufe 2 Stallhaltung Plus

Gewährt Tieren mehr Platz sowie Beschäftigungsmaterial, das gekennzeichnete Fleisch stammt nachweislich aus Betrieben, die diese Zusatzkriterien erfüllen.

Stufe 3 Auslauf
Gewährt Tieren zusätzlich mehr Platz, Tiere werden gentechnikfrei gefüttert und haben Zugang zu Außenklimabereichen.
Stufe 4 Bio
Entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Bio-Fleisch.

Lidl betonte bei Einführung, dass es sich beim Haltungskompass nicht um ein Label handelt, vielmehr soll durch die Einführung die Transparenz erhöht werden. “Mit der reinen Kennzeichnung heben wir keine Tierwohlstandards an. Wir wollen jedoch erreichen, dass sich die Standards in ganz Deutschland sukzessive erhöhen“, sagte Bock bei der Einführung. Langfristig plant Lidl, die Stufe 2 “Stallhaltung Plus” als Lidl-Mindeststandard zu etablieren. Bereits 2019 sollen mindestens 50 Prozent der Produkte diesem Standard entsprechen. Höhere Standards bedeuten jedoch auch höhere Kosten – und höhere Preise für Fleisch. “Mehr Tierschutz gibt es nicht zum Nulltarif”, sagte Bock gegenüber der SZ.

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