Agenturmeldung Nachrichten Recht Unternehmen

Erster Unternehmenschef in U-Haft

© Audi AG

Der erste Top-Manager der Autobranche sitzt wegen des Dieselskandals in U-Haft.

München (afp) > Rupert Stadler, Chef der Volkswagen-Tochter Audi, wurde am Montag verhaftet, wie die Staatsanwaltschaft München II mitteilte. Grund sei, dass “Verdunkelungsgefahr” bestehe. Stadler wird unter anderem Betrug im Zusammenhang mit dem Verkauf von Dieselfahrzeugen mit manipulierter Abgasreinigung vorgeworfen.

Unter Verdunkelung verstehen Juristen das Vernichten von Beweisen sowie die Beeinflussung von Zeugen. Erst vergangenen Montag hatten Staatsanwälte Stadlers Wohnung durchsucht. Ein Audi-Sprecher bestätigte die Festnahme, betonte aber, dass weiterhin die Unschuldsvermutung gelte. Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums sagte in Berlin, die Bundesregierung äußere sich nicht zu staatsanwaltschaftlichen Vorgängen. Stadler wird seit Ende Mai als Beschuldigter in den Ermittlungen gegen die Volkswagen-Tochter geführt. Insgesamt richten sich die Ermittlungen der Münchner Staatsanwälte derzeit gegen 20 Beschuldigte – darunter ist auch ein weiteres aktives Vorstandsmitglied von Audi. Sie sollen bewusst hunderttausende Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt verkauft haben. Die Ermittler werfen den Verantwortlichen neben Betrug auch “mittelbare Falschbeurkundung” von Dieselautos vor.

Wegen des Dieselskandals sitzen bereits seit vergangenem Jahr ein ehemaliger Audi-Manager sowie der ehemalige Porsche-Motorenchef in Untersuchungshaft. In den USA gibt es zudem einen Haftbefehl gegen Ex-Volkswagenchef Martin Winterkorn. Dieser ist in Deutschland aber bislang vor einer Auslieferung sicher. In Deutschland ermittelt unter anderem die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Winterkorn. Außerdem gibt es in Braunschweig ein Verfahren wegen Marktmanipulation gegen Winterkorn, den amtierenden VW-Chef Herbert Diess, den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch sowie den Diess-Vorgänger Matthias Müller. In den USA sitzen bereits zwei ehemalige VW-Manager wegen des Dieselskandals in Haft. Sie wurden jeweils zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Volkswagen hatte im September 2015 unter dem Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in Dieselautos unterschiedlicher Marken eine illegale Software zur Abgasmanipulation eingebaut zu haben. Der damalige Konzernchef Winterkorn trat kurz danach zurück. Der Skandal weitete sich auch auf andere Hersteller aus. Für Volkswagen ist der Dieselskandal noch lange nicht ausgestanden. Erst vergangene Woche verhängte die Staatsanwaltschaft Braunschweig ein Bußgeld von einer Milliarde Euro wegen der Verletzung von Aufsichtspflichten. Eine Woche zuvor musste Audi auf Anordnung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) rund 60.000 Dieselautos europaweit zurückrufen. Im Juli will Audi die interne Überprüfung sämtlicher Software für die Motorsteuerung abschließen und die Ergebnisse dem KBA vorlegen.

Nach einem Bericht des Handelsblatts will der Aufsichtsrat von Volkswagen Audi-Chef Rupert Stadler beurlauben. Vorläufig ersetzen solle ihn Audi-Vertriebschef Bram Schot, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Die Personalie solle noch am Montag durch die Aufsichtsräte von VW und der Konzerntochter Audi beschlossen werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar