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Breiteste Studie zu Umsetzung und Wirkung des CSR-RUG

adiruch na chiangmai, Fotolia

Wie wird berichtet, in welchem Umfang und zu welchen Themen? Was hat sich in der Berichterstattung verändert? Bekommt sie nun mehr Aufmerksamkeit oder macht sie mehr Arbeit? Diesen und vielen anderen Fragen ging akzente mit der Studie „Neuer Impuls für die Berichterstattung zu Nachhaltigkeit?“ im Auftrag von econsense und dem Deutschen Global Compact Netzwerk nach. Die Ergebnisse wurden diese Woche präsentiert.

Berlin/München (csr-news) > Intensive Recherchen auf Basis der Liste berichtspflichtiger Unternehmen von der Hans-Böckler-Stiftung ergaben im April insgesamt 487 berichtspflichtige Unternehmen, darunter auch über 200 kleinere Banken und Versicherungen. Sie müssen ihre Nichtfinanzielle Erklärung allerdings nicht zum 30. April veröffentlichen, da sie ihren Jahresabschluss erst ein Jahr nach Geschäftsjahresende einreichen müssen. Das hieß für uns, den Fokus auf kapitalmarktorientierte Unternehmen zu legen.

 Mix aus Desk-Research, Onlinebefragung und Interviews

Für einen tiefen Einblick setzten wir auf einen Mix aus drei Instrumenten. Mittels Desk-Research erfassten wir alle 255 bis zum 30. April 2018 veröffentlichten Nichtfinanziellen Erklärungen und Berichte und werteten sie nach Art der Veröffentlichung, Umfang, berichteten Themen und Leistungsindikatoren aus. Eine ergänzende Onlinebefragung, an der 90 vom CSR-RUG betroffene Unternehmen teilnahmen, brachte Einschätzungen zum Aufwand, zu Veränderungen und zu den größten Herausforderungen. Vertiefende Interviews mit 24 ausgewählten Unternehmen erlaubten detaillierte Einblicke in die Wirkung des CSR-RUG in den Unternehmen, auf Erstellungsprozesse, auf die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen und die Aufmerksamkeit bei der Unternehmensleitung.

 Vielfalt an Berichtsformaten

Die Freiheiten, die der Gesetzgeber beispielsweise bezüglich der Wahl des Formats gewährt, wurden genutzt. Die von kapitalmarktorientierten Unternehmen am häufigsten verwendeten Formate sind der eigenständig veröffentlichte nichtfinanzielle Bericht (33%), gefolgt von der Darstellung als separates Kapitel im Lagebericht (23,5%) und der Integration in den Nachhaltigkeitsbericht (23%). Fast die Hälfte nannten die Standards der Global Reporting Initiative (GRI) als verwendetes Rahmenwerk. Rund ein Drittel gab kein Rahmenwerk an. Bei kleinen Banken und Versicherungen dominierte ebenfalls der eigenständig veröffentlichte nichtfinanzielle Bericht – in Form einer Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Er war damit in diesem Kreis das am häufigsten genutzte Rahmenwerk.

Wesentlichkeit und Risiken als Herausforderung 

Die allermeisten Unternehmen machten Angaben zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen sowie zu Korruptionsprävention, während zu Sozialbelangen und der Achtung von Menschenrechten deutlich weniger berichteten. Als große Herausforderungen aufgrund vager Formulierungen im Gesetz wurden die Bestimmung der Wesentlichkeit sowie nichtfinanzieller Risiken genannt. Interessant ist, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen den Wesentlichkeitsprozess beschreiben, obgleich dies vom Gesetz nicht explizit gefordert wird. „Einen soliden Wesentlichkeitsprozess durchzuführen erachten wir vor allem auch für das Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen als besonders wichtig,“ so Thomas Wagner, Nachhaltigkeitsberater bei akzente kommunikation und beratung. „Erst wenn Unternehmen die für sie relevanten Themen identifiziert haben, können diese auch strategisch angegangen und die Fortschritte transparent berichtet werden.“ Das schwierige Thema Risiko wurde von einigen Unternehmen weitläufig umschifft: Fast die Hälfte der Unternehmen schloss nichtfinanzielle Risiken gemäß Gesetzesdefinition aus, beispielsweise durch einen pauschalen Hinweis.

Mehr Aufwand und mehr Aufmerksamkeit

Mehraufwand durch das CSR-RUG meldeten fast alle Unternehmen. Als größte Hemmnisse bei der Umsetzung wurden die begrenzten internen Ressourcen, die rechtzeitige Verfügbarkeit von Kennzahlen sowie die (erstmalige) Prüfung des Berichts genannt. Doch wussten die meisten Unternehmen auch von positiven Effekten zu berichten. So ist die Aufmerksamkeit für nichtfinanzielle Themen in den betroffenen Unternehmen deutlich gestiegen, vor allem beim Aufsichtsrat. Oft hat sich die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen deutlich verbessert.

Berichterstattung ist immer mit Aufwand verbunden. Doch die positiven Effekte wiegen diesen auf,“ weiß Thomas Wagner. „Ein guter Bericht kann im Unternehmen für mehr Bewusstsein gegenüber dem Thema Nachhaltigkeit sorgen. Gegenüber seinen externen Stakeholdern kann sich ein Unternehmen durch einen ehrlichen und transparenten Bericht gut positionieren.“ Wichtigster Treiber für Nachhaltigkeit im Unternehmen ist das CSR-RUG aber nicht. Es verstärke nur bestehende Tendenzen und biete „Flankenschutz“. Wesentlich sind die Anforderungen von Kunden und Kapitalmarkt.

 Der Blick in die Zukunft

Ein Drittel der Unternehmen gab an, in Zukunft ausführlicher berichten zu wollen. Insofern hat das CSR-RUG sicherlich vor allem bei Unternehmen, die noch nicht über erprobte Berichtsprozesse verfügten, einiges bewegt. Demgegenüber steht ebenfalls rund ein Drittel der Unternehmen, das keine Veränderungen plant.

Bleibt noch die Frage, inwiefern Berichtsprozesse zu mehr Nachhaltigkeit im Geschäft führen – ein Hauptziel der europäischen CSR-Richtlinie. Hier werden wir vermutlich unterschiedliche Herangehensweisen und Wirkungen sehen: Bei Unternehmen, die das Thema vorrangig unter dem Aspekt Compliance angehen, werden sich im Kerngeschäft nur wenig Veränderungen ergeben. Andere, denen sich durch die intensivere Zusammenarbeit einzelner Abteilungen oder durch eine umfassendere Risikobetrachtung neue Perspektiven erschlossen haben, werden dies weiterverfolgen und vermutlich auch Änderungen für Geschäftsprozesse ableiten. Diejenigen, die auf dem Weg zu einer integrierten Denkweise schon weit sind, werden diesen auch ohne gesetzliche Verpflichtung fortsetzen – sofern die für sie relevanten Treiber weiterhin auf mehr Nachhaltigkeit hinwirken. „Ob mit oder ohne gesetzliche Verpflichtung – Berichterstattung zu Nachhaltigkeit bleibt der Spiegel für die Transformationsbereitschaft der Unternehmen und kann zukunftsfähige Prozesse in Gang setzen,“ so Thomas Wagner.

Die Studie „Neuer Impuls für die Berichterstattung zu Nachhaltigkeit? Studie zur Umsetzung des deutschen CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes“ ist inklusive einer Liste aller berichtspflichtigen Unternehmen unter www.akzente.de/profil/publikationen als Download verfügbar.

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