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Brauchen wir noch Chefs?

Prof. Heike Bruch vom Institut für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen, © KDBusch/compamedia

Eine aktuelle Trendstudie räumt mit Mythen rund um die neue Arbeitswelt auf

Konstanz / St. Gallen (csr-news) > Unternehmen stehen unter einem enormen Transformationsdruck – welche Wege und Modelle positive Ergebnisse versprechen, ist bisher kaum untersucht. Die diesjährige Trendstudie des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität (zeag GmbH) und der Universität St. Gallen untersucht erstmals empirisch den Sinn, den Erfolg und die Auswirkungen neuer Führungsformen und leitet konkrete Strategien ab. Dafür wurden 19.841 Führungskräfte und Mitarbeiter aus 89 Unternehmen befragt.

Dass Unternehmen früher oder später neue Führungsmodelle einführen müssen, belegt die Studie eindrücklich. Denn Unternehmen mit einer modernen Führung sind weitaus leistungsstärker als Unternehmen mit einem traditionellen Führungsverständnis und sie sind gleichzeitig gesünder. Die Wissenschaftlerinnen aus St. Gallen untersuchten zwei der aktuellen Modelle der New Leadership – die „Inspiriende Führung”, das heißt individuelle sinngebende Führung und „Geteilte Führung”. Bei dieser werden die Verantwortung und die Organisation an die Teams abgegeben.

Als das erfolgreichste Modell identifiziert die Untersuchung eine Kombination aus den beiden Formen. Unternehmen mit dieser Führungskultur (360°-Leadership) bringen deutlich höhere Innovationsraten und Leistungswerte hervor, als Unternehmen, die entweder Führung teilen oder inspirierend führen. Dennoch haben erst 22 Prozent der untersuchten Unternehmen eine derartige Führung etabliert.

Der Ruf, auf dem Weg in die neue Arbeitswelt, wurde immer lauter. Die Daten der Studie offenbaren jedoch, dass dies definitiv kein Erfolgsrezept ist – ganz im Gegenteil: Eine Laissez-faire-Führung beeinträchtigt die Unternehmensleistung negativ. Führungskräfte werden also nicht überflüssig, sondern sie sind wichtiger denn je. „Über moderne Führung besteht noch große Unsicherheit und sie ist alles andere als Laissez-faire-Führung. Deshalb stecken die meisten Unternehmen in einer solchen 0° Leadership fest, obwohl das die kontraproduktivste Führungskultur ist” – resümiert Prof. Heike Bruch von der Universität St. Gallen. Die Studie liefert detaillierte Kennzahlen zur Wirkung verschiedener Führungsformen auf zum Beispiel Innovation, Unternehmensleistung und Mitarbeiterproduktivität, und betrachtet die Wirkung auf die Mitarbeiter – etwa das Engagement, das interne Unternehmertum und die Erschöpfung.

Die Studie zeigt zudem Strategien auf, wie die Geschäftsführung und das Personalmanagement die Transformation tragen und ausgestalten können. „Wir empfehlen Unternehmen, die den Weg zur 360°-Kultur gehen wollen, über die inspirierende Führung zu kommen. Denn diese ist Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Abgeben von Führung”, rät Silke Masurat, Geschäftsführerin des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität.

 

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