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Kritik an Steuerentlastung für Elektro-Dienstwagen

© Joenomias/CCO

Umweltschützer kritisieren die geplante Steuerentlastung für als Dienstwagen genutzte Elektroautos.

Berlin (afp) > Der ökologische Verkehrsclub VCD sieht im derzeitigen Entwurf eine “reine Industrieförderung”. Demnach würden PS-starke Plug-In-Hybride (eine Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor) massiv davon profitieren, obwohl diese kaum besser für die Umwelt als herkömmliche Diesel oder Benziner seien. Außerdem kritisierte der VCD, dass Dienstfahrräder nicht entlastet werden sollen.

Das Bundeskabinett will am Mittwoch eine Reform der Dienstwagenbesteuerung beschließen. Bislang ist es so, dass Mitarbeiter mit Dienstwagen ein Prozent des Listenpreises monatlich als Gehaltszuschlag versteuern müssen. Das Finanzministerium will Elektroautos nun steuerlich massiv besser stellen, wie der AFP vorliegende Gesetzentwurf zeigt. Für E-Autos, die zwischen Anfang 2019 und Ende 2021 gekauft werden, soll der Listenpreis bei der Steuerberechnung halbiert werden. Der Dienstwagenmarkt ist für die Autobauer in Deutschland besonders wichtig – zwei Drittel aller Neuzulassungen im vergangenen Jahr waren gewerblich. Vor allem hochmotorisierte Premiumwagen werden überwiegend als Dienstwagen zugelassen. Bislang spielen E-Autos dabei keine Rolle – das könnte sich durch die Steuererleichterung ändern: Experten rechnen mit möglichen Steuerentlastungen für Dienstwagennutzer im Milliardenbereich.

Zu den E-Autos gehören gemäß dem Gesetzentwurf nicht nur vollständig batteriebetriebene Fahrzeuge, sondern auch Hybride. Der VCD wies aber darauf hin, dass die meisten Hybride nur jeweils weniger als 50 Kilometer rein elektrisch fahren können. Im Alltag werde überwiegend der Verbrennungsmotor genutzt. Angestellte hätten zudem wenig Anreiz, elektrisch zu fahren, weil viele Firmen Tankkarten ausgeben, mit denen die Dienstwagennutzer auf Kosten des Unternehmens tanken können. Dienstwagennutzer würden deshalb oft das umständlichere Aufladen der Elektrobatterie zu Hause vermeiden. Durch die steuerliche Bevorzugung könnten sich Manager teure Hybrid-Autos mit hunderten PS kaufen, die sie nun deutlich günstiger versteuern könnten, kritisierte der VCD. Er rechnet das am Beispiel eines mehr als 50.000 Euro teuren BMW 530 mit 250 PS vor. Dieser koste für einen Gutverdiener mit Spitzensteuersatz in der Benzin-Variante 212 Euro Steuern, in der Plug-In-Variante nur 112 Euro monatlich.

Durch den Steuervorteil wird der Hybrid laut VCD damit zum “Schnäppchen”. Gleichzeitig könne BMW dank Sonderregeln für Hybrid-Autos seine CO2-Bilanz verschönern. Beim deutlich sparsameren VW Golf mit rein elektrischem Antrieb für 36.000 Euro würde sich die Steuerersparnis laut Berechnungen der Umweltorganisation ICCT dagegen nur auf rund 60 Euro belaufen. “Unglaubwürdig wird die Dienstwagenbesteuerung aus ökologischer Sicht, wenn den Steuerzahler die Förderung von Luxuslimousinen viel mehr kostet als die von effizienten, batterieelektrischen Autos”, erklärte der VCD. “Sie ist unsozial und reine Industrieförderung.”

Peter Mock vom ICCT erklärte, dass die vorgesehene Änderung der Dienstwagensteuer zwar ein “guter Schritt in die richtige Richtung” sei, dass der finanzielle Anreiz für ein E-Auto in Deutschland jedoch auch nach der Gesetzesänderung immer noch “relativ gering” bleiben werde. Der VCD forderte, dass die Entlastung für Hybride deutlich geringer als für reine batteriebetriebene E-Autos ausfallen müsse. Außerdem sollten Dienstfahrräder mit und ohne elektrischen Antrieb ebenfalls gefördert werden.

 

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