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Einzelkämpfer auf schmelzendem Eis

Nicolas Hulot © COP Paris/CCO

Seit fast 30 Jahren kämpft er für die Umwelt, jetzt hat er nach nur 15 Monaten hingeworfen: Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot hat am Dienstag in einem Radiointerview überraschend seinen Rücktritt erklärt.

Von Stephanie Lob

Paris (afp) > Präsident Emmanuel Macron gerät durch den Abgang des beliebten Fernsehjournalisten in Bedrängnis. Der jugendlich wirkende 63-Jährige war nicht nur der Star in Macrons Kabinett, er stand auch für das Versprechen des Präsidenten, “den Planeten wieder groß zu machen”. “Make the Planet Great Again”, mit diesem Slogan forderte Macron US-Präsident Donald Trump seit dessen Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen heraus. Der parteilose Hulot verkörperte dieses Motto wie kein anderer. Seit Jahrzehnten für den Umweltschutz aktiv, überzeugte er viele Franzosen mit seinen Reisereportagen und als Fernsehmoderator, die Natur nicht nur als schönen Hintergrund zu sehen. Als Coup galt, dass Macron den Journalisten im Mai 2017 für sein Kabinett gewinnen konnte. Schon sein Vorgänger François Hollande hatte dies versucht, war aber an Hulots Willen zur Unabhängigkeit gescheitert. Als Berater hatte er sich dagegen für Präsidenten verschiedener Couleur zur Verfügung gestellt. “Ich will nicht mehr lügen” – mit diesen Worten leitete Hulot im Frühinterview mit dem Radiosender France Inter seine Rücktrittsankündigung ein. Er stehe mit seinem Engagement für den Umweltschutz in der Regierung “völlig alleine” da, erklärte er den völlig verblüfften Moderatoren.

 “Ich will nicht mehr lügen”.

Die schweren Waldbrände in Kalifornien und in Griechenland im Sommer hätten ihn in seiner Sorge bestätigt: “Der Planet wird zum Brutkasten – es ist die schlimmste Herausforderung, die die Menschheit je gesehen hat!” Er müsse sich eingestehen, dass er die Politik der kleinen Schritte nicht mehr mittragen könne. Umweltschützer und Oppositionspolitiker werteten das erstaunlich offenherzige Interview umgehend als “Misstrauensvotum gegen Macron” und Beleg für die “Tatenlosigkeit” des Präsidenten beim Klimaschutz. Denn Frankreich erfüllt seine Klimaziele vor allem dank der Atomenergie. Deshalb sah sich Hulot im November 2017 gezwungen, die von der Vorgängerregierung angekündigte Energiewende auf unbestimmte Zeit zu verschieben – auch wenn er Atomstrom für “nutzlosen Irrsinn” hält.

Auch bei anderen Vorhaben musste Hulot zurückstecken. Mit dem Versuch, den Unkrautvernichter Glyphosat in der EU oder in Frankreich wegen seiner möglichen Krebsgefahr zu verbieten, scheiterte er an der mächtigen Agrarlobby. In der Politik hat Hulot nicht zum ersten Mal Schiffbruch erlitten: Als er 2011 bei den französischen Grünen als Präsidentschaftsanwärter kandidierte, fiel er schon in der Vorrunde durch. Manche warfen ihm seine Nähe zu Konzernen wie L’Oréal vor. Im Jahr 2007 hatte Hulot trotz ermutigender Umfragewerte noch auf eine eigene Kandidatur verzichtet und den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy für einen “ökologischen Pakt” gewonnen. Die daraus entstandenen Pläne für eine Klimasteuer liefen jedoch später ins Leere.

Auch mit seiner journalistischen Arbeit bewies Hulot nicht immer eine glückliche Hand: Sein Umweltfilm “Unsere Welt” (im Original “Le Syndrome du Titanic”, das Titanic-Syndrom) floppte 2009 an den Kinokassen. Kritiker warfen ihm eine zu apokalyptische Weltsicht vor. Womöglich war der Ministeranzug zu eng für den Fernsehmann, der sich schon durch Krawatten beeinträchtigt fühlte. Jedenfalls gehe er im Einklang mit sich selbst, sagte Hulot in seinem letzten Interview als Politiker. “Wird es jemand anders besser machen als ich? Vielleicht.” Hulot will jedenfalls mit seiner Stiftung weiter für Umwelt- und Klimaschutz kämpfen.

 

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