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Mehr Todesfälle in Deutschland wegen Stickstoffdioxid und Ozon

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Die Luftverschmutzung in der Europäischen Union hat sich leicht verringert, kostet aber weiterhin jährlich tausenden Menschen das Leben.

Brüssel (afp) > 2015 seien in der EU knapp eine halbe Million Menschen an den Folgen der Belastung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon gestorben, teilte die Europäische Umweltagentur (EAA) am Montag mit. In Deutschland waren es demnach knapp 80.000 vorzeitige Todesfälle. Die Belastung durch Feinstaub ist laut EAA mit rund 391.000 für die meisten vorzeitigen Todesfälle verantwortlich. Weitere 76.000 Todesfälle stünden in Verbindung mit der Belastung durch Stickstoffdioxid, rund 16.400 durch bodennahes Ozon. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen für alle drei Kategorien leicht rückläufig, wie aus dem EAA-Bericht hervorgeht.

Eine erhöhte Belastung mit Feinstaub steht im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen und Herzproblemen. Die kleinsten Partikel bergen dabei die größte Gefahr für die Gesundheit, weil sie tief in die Lungen eindringen können. “Luftverschmutzung ist ein unsichtbarer Killer”, erklärte EAA-Chef Hans Bruyninckx. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit besonders Kinder unter den Folgen schlechter Luft. Allein im Jahr 2016 seien etwa 600.000 Kinder an durch verschmutze Luft ausgelösten Lungenerkrankungen gestorben, wie ein am Montag veröffentlichter Bericht der UN-Gesundheitsorganisation zeigt. Jeden Tag atmen demnach 93 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren weltweit zu einem gefährlichen Grad verschmutzte Luft.

In der EU gehen die Zahlen der jährlichen Todesfälle durch Feinstaubpartikel seit 1990 zurück. Grund seien politische Maßnahmen, die beispielsweise für “sauberere Autos, Industrie und Energieproduktion” gesorgt hätten, erklärte die EAA. Auch in Deutschland sind demnach 2015 weniger Menschen an den Folgen der Belastung durch Feinstaub gestorben als 2014. Die Belastung durch Stickstoffdioxid und Ozon hat jedoch jeweils leicht zugenommen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind Dieselfahrzeuge für einen Großteil der Stickoxid-Emissionen in Städten verantwortlich.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte die Bundesregierung angesichts des EAA-Berichts zu Sofortmaßnahmen wie Fahrverboten von Dieselfahrzeugen auf. Die Dieselpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei gescheitert, kritisierte DUH-Chef Jürgen Resch. Wegen dauerhafter Überschreitungen von Grenzwerten hat die DUH bereits in mehreren deutschen Städten Klagen angestrengt. Unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main und Mainz machten die Gerichte daraufhin den Weg für Fahrverbote frei. Die Bürgermeister von Paris und Brüssel hatten als symbolisches Zeichen für den Kampf gegen Luftverschmutzung jüngst einen jährlichen autofreien Tag in Europa gefordert. In beiden europäischen Hauptstädten gab es im September einen solchen Tag.

 

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