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Arbeitsschutzabkommen für Bangladesch in Gefahr

Parlament Bangladesh © emperorsoft20150/CCO

[aktualisiert] Das Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch (Accord), Folge aus der Katastrophe in der Textilfabrik Rana Plaza vor fünf Jahren, steht offenbar vor dem Aus.

Berlin (csr-news) > Die Regierung in Bangladesch sei gegen eine Weiterarbeit mit diesem Abkommen, erklärte am Freitag die Entwicklungsorganisation Inkota. Es läuft am 30. November aus. Inkota warnte vor “dramatischen Folgen”.

“Der Accord ist ein glaubwürdiges und wirkungsvolles Programm”, sagte Inkota-Referent Berndt Hinzmann. Das Abkommen habe die Fabriken in Bangladesch sicherer gemacht für die Menschen  “die unsere Kleidung herstellen”. Inkota forderte Politik und Unternehmen auch in Deutschland und Europa auf, die Regierung in Bangladesch dazu zu bewegen, das Abkommen fortzuführen.  Handelspräferenzen für Bangladesch sollten ausgesetzt werden, schlug Inkota als Druckmittel vor. Unternehmen sollten Aufträge von der Weiterarbeit des Abkommens abhängig machen.

Der Fabrikkomplex Rana Plaza war am 24. April 2013 unter dem Gewicht mehrerer illegal aufgestockter Etagen eingestürzt. Mindestens 1138 Menschen wurden getötet. Mehrere westliche Kleidungsfirmen hatten in dem Komplex Ware produzieren lassen. Die Katastrophe warf ein Schlaglicht auf die Probleme in den Textilfabriken des südasiatischen Landes, das nach China weltweit die Nummer zwei der Textilexporteure ist. Westliche Unternehmen machten Druck auf Produzenten in Bangladesch, um die Sicherheitsbedingungen zu erhöhen.

Internationale Experten für Arbeitssicherheit haben seither leichter Verbesserungen registriert. Im Jahr 2017 wurden 20 Industrieunfälle gemeldet, es war die niedrigste Zahl seit Jahren. Allerdings arbeiten nach wie vor viele Menschen in Bangladesch unter riskanten Bedingungen.

akzualisiert:

Deutsche Modefirmen zeigen sich besorgt über das drohende Ende des Arbeitsschutzabkommens Accord für die Textilfabriken in Bangladesch. “Sollte der Accord gezwungen sein, Bangladesch zu verlassen, wäre dies ein herber Rückschlag”, sagte Ansgar Lohmann, Bereichsleiter Unternehmensverantwortung beim Textildiscounter Kik, dem “Handelsblatt”. Auch Tchibo zeigte sich dem Bericht zufolge “bestürzt”. C&A erklärte, dass die neue staatliche Aufsichtsbehörde “noch nicht voll funktionsfähig” sei. Sollten die Verbesserungen in den Fabriken nicht mehr richtig kontrolliert werden können, müssten die Modefirmen, die den Accord unterschrieben haben, “die Geschäftsbeziehungen mit diesen Zulieferbetrieben beenden”. Das Abkommen Accord, dem rund 180 Modefirmen angehören, habe den Brandschutz und die Statik in 1600 Fabriken deutlich erhöht, sagte Gisela Burckhardt, Geschäftsführerin der Menschenrechtsorganisation Femnet, dem “Handelsblatt”. Durch die von der Regierung geplante Ausweisung der von den Firmen beauftragten Prüfer “werden Leben der Näherinnen gefährdet”. Die Gefahr für europäische Einkäufer steige, dass “Fabriken wieder einstürzen, Brände entstehen, sie also ihre Sorgfaltspflicht verletzen”.

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