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Sprechen Sie Klima?

© TeroVesalainen/CCO

Das Rulebook vereinbaren, im Talanoa-Dialog die NDCs auf den Prüfstand stellen und bitte auch an “Just transition” denken – diese Aufgabenliste der Verhandler, die ab Sonntag zur UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz zusammenkommen, ist für Außenstehende schlicht unverständliches Fachchinesisch.

Von Yvonne Brandenberg

Berlin (afp) > Da die Verhandlungen über den internationalen Kampf gegen die Erderwärmung mitunter hochkompliziert sind und in der Regel auf Englisch geführt werden, verwenden die Teilnehmer sehr viele Fachbegriffe, Fremdwörter und darüber hinaus eine Reihe von Abkürzungen. Eine Übersetzungliste mit den immer wiederkehrenden Begriffen kann da helfen:

COP24: UN-Klimakonferenzen werden gerne auch einfach nur COP genannt. Das ist eine Abkürzung für “Conference of the Parties”, zu Deutsch Vertragsstaatenkonferenz. Da das Format dieses Jahr zum 24. Mal stattfindet, heißt die Konferenz in Kattowitz kurz COP24.

RULEBOOK: Dieser Begriff bedeutet auf Deutsch schlicht “Regelbuch”. Es ist so etwas wie eine Gebrauchsanweisung zur Umsetzung des Paris-Abkommens, in dem die internationale Gemeinschaft 2015 eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vereinbart hat.

Das Regelbuch soll unter anderem festlegen, wie die nationalen Klimaschutzzusagen transparent gestaltet und überprüft werden können. Außerdem soll es einen sogenannten Ambitionsmechanismus festschreiben, wonach die Vertragsstaaten ihr Klimaschutz-Engagement stetig erhöhen müssen.

NDCs: Kern des Pariser Klimaabkommens sind die “Nationally Determined Contributions”, kurz NDCs, also national festgelegte Beiträge zum Klimaschutz. Das bedeutet, dass alle Vertragsstaaten sowie Staatengemeinschaften wie die EU ihre Beiträge zur Umsetzung des Pariser Abkommens wie etwa die Verringerung von Treibhausgas-Emissionen und die Vergrößerung ihrer Waldflächen selbst festlegen.

Noch reicht die Summe der nationalen Klimaschutzzusagen bei Weitem nicht aus. In Kattowitz steht zwar eine Erhöhung der Zusagen offiziell nicht an, unter dem Eindruck der jüngsten Berichte von Weltklimarat IPCC und UN-Umweltprogramm wagen sich aber womöglich einzelne Länder aus der Deckung.

TALANOA-DIALOG: Der Begriff “Talanoa” geht zurück auf die Fidschi-Inseln, die vergangenes Jahr den Vorsitz bei der UN-Klimakonferenz in Bonn hatten. Er bezeichnet einen alle Betroffenen umfassenden transparenten Austausch, der Lösungen zum Wohle aller hervorbringen soll.

In Bonn wurde entschieden, ab 2018 im Talanoa-Dialog zu überprüfen, ob die Klimaschutzbeiträge aller Länder zur Umsetzung des Pariser Abkommens ausreichen und wie sie nachgebessert werden können.

Damit soll Bewegung in den Prozess kommen, noch bevor 2020 alle Staaten ihre langfristigen Pläne für eine klimaneutrale Entwicklung vorlegen müssen. Ab 2023 soll es dann ganz offiziell alle fünf Jahre eine globale Bestandsaufnahme der nationalen Klimaschutzmaßnahmen geben, im Fachjargon “global stocktake” genannt.

GCF und AF: Zur Klimapolitik gehört auch ein Geflecht aus finanzieller Unterstützung insbesondere für die Entwicklungsländer. GCF steht für den Green Climate Fund, zu Deutsch Grüner Klimafonds. Mit seinen Geldern werden Projekte für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen unterstützt.

Darüber hinaus gibt es den Anpassungsfonds (AF), der in den Entwicklungsländern Projekte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels wie einen besseren Küstenschutz wegen der steigenden Meeresspiegel finanziert. In Kattowitz wird darüber diskutiert werden, ob der Anpassungsfonds rechtlich im Paris-Abkommen verankert wird.

LOSS AND DAMAGE: Dieses Schlagwort verweist darauf, dass durch die Erderwärmung schon jetzt hohe Verluste und Schäden entstehen. So werden Gebiete durch Überschwemmung oder anhaltende Dürre dauerhaft unbewohnbar. Insbesondere den Entwicklungsländern und den kleinen Inselstaaten ist es bei den UN-Verhandlungen wichtig, darüber zu verhandeln, wie die Industrieländer als Hauptverursacher der Erderwärmung sich an diesen Kosten beteiligen.

JUST TRANSITION: Ein Anliegen, das Gastgeber Polen in diesem Jahr zu einem Schwerpunkt der COP macht, ist der “gerechte Übergang” von einem herkömmlichen zu einem nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaftssystem. Polen ist es als Land mit einer großen Kohleindustrie wichtig, dass nicht zahlreiche Arbeitnehmer und ganze Regionen durch Klimaschutz-Beschlüsse abgehängt werden.

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