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Klimaschutz-Muffeln hilft Ehrlichkeit und gute Planung

Prof. Dr. Anja Achtziger © Zeppelin Universität

Tipps gegen den “inneren Schweinehund” beim Kampf gegen die Erderwärmung.

Friedrichshafen (afp) > Die Erderwärmung schreitet voran und nur ein schnelles und entschiedenes Umsteuern kann die Erde noch vor der Klimakatastrophe retten – diese Warnung ist hinlänglich bekannt. Dennoch können sich viele Menschen nicht durchringen, das Auto stehen zu lassen, teureren Ökostrom zu beziehen oder auf Fleisch zu verzichten. Aus Sicht der Psychologin Anja Achtziger von der Zeppelin-Universität Friedrichshafen hilft da nur eine ehrliche Bestandsaufnahme – und gute Planung. “Klimaschutz ist nicht jedem wichtig”, sagt Achtziger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Aber auch diejenigen, die im Kampf gegen die Erderwärmung guten Willens seien, wüssten oft nicht, “was müsste ich denn jetzt eigentlich machen”. Wenn auch diese Hürde überwunden sei, hätten dennoch noch viele Menschen “mit ihrem inneren Schweinehund” zu kämpfen. “Natürlich ist es mühsamer, Gemüse zu schnippeln, statt sich schnell ein Steak zu braten”, sagt die Sozialpsychologin mit Blick auf die klimafreundlichere Lebensweise als Vegetarier. “Wenn es da ein bisschen unangenehm wird, springen viele wieder ab.” Achtziger rät daher dazu, die Menschen sollten sich in einem ersten Schritt erst einmal darüber Klarheit verschaffen, wie wichtig ihnen der Klimaschutz ist.

Wenn Klimaschutz für sie wirklich eine Priorität sei, sollten sie sich dann in einem zweiten Schritt “gute Strategien” überlegen, sagte Achtziger, zu deren Fachgebieten Motivation und Selbstregulierung gehören. So könnten sie sich überlegen, wie und wann sie das Auto ersetzen können und ob dieser Verzicht vielleicht erst einmal zeitlich befristet sein soll. Darüber hinaus helfe es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, um zu erfahren, dass man im Klimaschutz nicht allein auf verlorenem Posten stehe. Ein weiteres Problem bei guten Vorsätzen für den Klimaschutz ist laut Achtziger allerdings, dass falsches Verhalten anders als etwa “Fressorgien während einer Diät” nicht sofort bestraft werde. “Wenn wir negative Folgen etwa beim Autofahren sofort spüren würden, hätten wir das wahrscheinlich längst eingeschränkt”, sagt die Expertin. Hier könne der Staat etwa mit gezielten Steuererhöhungen eingreifen.

 

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