Agenturmeldung Nachrichten

Mit “harten Bandagen” gegen ehrgeizige Klimaschutz-Ziele

USA und Saudi-Arabien behindern die Verhandlungen bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz.

Kattowitz (afp) > Sie sind die Schlusslichter im diesjährigen Klimaschutz-Index von Germanwatch. Doch damit nicht genug: Die USA und Saudi-Arabien treten auch in den Verhandlungen bei der Weltklimakonferenz in Kattowitz mit harten Bandagen als Bremser auf. Sie provozieren mit Werbung für klimaschädliche fossile Energieträger und brechen wegen einer Formulierung in einem Verhandlungstext einen handfesten Streit vom Zaun. Für die zweite und entscheidende Verhandlungswoche in Kattowitz lässt dies nichts Gutes erahnen. Das Auftreten der Klimasünder in Kattowitz ist entlarvend: Bei der Konferenz werde deutlich, “welche Länder die Klimakrise immer noch nicht ernst nehmen”, sagt Lutz Weischer, Klimaexperte von Germanwatch.

Im Klimaschutz-Index seiner Organisation belegte Saudi-Arabien am Montag erneut den letzten Platz, weil es weiterhin vor allem auf Öl und Gas setzt und sich nicht einmal konkrete Ziele zur Verringerung seiner Treibhausgas-Emissionen gesetzt hat. Die USA sackten um drei Plätze ab und landeten auf dem vorletzten Platz, weil Präsident Donald Trump den menschengemachten Klimawandel nicht wahr haben will und Klimaschutz-Maßnahmen zurückfährt. “Die treibende Kraft” bei den Bremsern in Kattowitz sei Saudi-Arabien, sagt Weischer. Unterstützung kommt aus Washington: Die Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen mache das ölreiche Königreich in seinem Widerstand gegen wirksame Klimaschutzvereinbarungen “noch mutiger”.

Deutlich wurde das am Wochenende durch einen Eklat in Kattowitz. Es ging um eine Formulierung zu dem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel, den der Weltklimarat IPCC auf Bitten der Pariser Klimakonferenz 2015 erarbeitet und Anfang Oktober veröffentlicht hatte. Die internationalen Experten mahnen darin eindringlich zu grundlegenden und schnellen Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Anderenfalls könne das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, nicht mehr erreicht werden. Im Entwurf eines Verhandlungstextes hieß es dazu, dass die Verhandler den Bericht “zur Kenntnis nehmen”. Die Malediven und Äthiopien als besonders betroffene Staaten forderten allerdings, den IPCC-Bericht zu “begrüßen” und ihn damit als wichtige Grundlage für die Klimaverhandlungen anzuerkennen. Auch die EU unterstützte dieses Anliegen.

Saudi-Arabien, die USA sowie Kuwait und Russland blockierten aber. Eine Entscheidung in dem Konflikt wurde vertagt, das Thema wird die Verhandler in den kommenden Tagen weiter beschäftigen. Auf den ersten Blick erscheine der Streit um ein einzelnes Wort womöglich “belanglos”, sagt Rueanna Haynes von der Delegation des karibischen Inselstaates St. Kitts und Nevis der Nachrichtenagentur AFP. Tatsächlich seien die Folgen aber “sehr schlecht für den Fortgang der Verhandlungen”. Seinen Ärger verbarg auch der Umweltminister der Malediven, Hussain Rasheed Hassan, nicht. “Das Leugnen ändert nicht die Realität, der Klimawandel existiert bereits und ist schlimmer als wir befürchtet haben”, erklärte Hassan am Montag. Weischer verurteilt das Vorgehen der USA und ihrer Gesinnungsgenossen als “eine riesengroße Frechheit”. Saudi-Arabien goss jedoch weiter Öl ins Feuer und versandte an die Journalisten in Kattowitz eine Erklärung, in der das Land auf “Lücken” und ungeklärte Fragen in dem IPCC-Bericht hinwies. Vertreter der Trump-Regierung beteiligten sich derweil am Montag an einer Werbe-Veranstaltung für fossile Energieträger.

Wie bereits im vergangenen Jahr war die Veranstaltung am Rande der Klimakonferenz von lautstarken Protesten von etwa hundert Aktivisten begleitet. “Lasst es im Boden”, riefen sie mit Blick auf die Öl- und Gasförderung. Weischer sagt, es sei nun offensichtlich, “mit was für harten Bandagen man bei dieser Klimakonferenz kämpft”. Die USA und Saudi-Arabien seien “skrupellos”, kritisiert Mohamed Adow von der Hilfsorganisation Christian Aid. Als große Produzenten von fossilen Energieträgern arbeiteten sie “zusammen gegen die Interessen vom Rest der Welt”.

Hinterlassen Sie einen Kommentar