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Soziale Ungleichheit nimmt weltweit weiter zu

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Die soziale Ungleichheit nimmt laut einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam weltweit weiter zu.

Berlin (afp) > Die Vermögen der Milliardäre stiegen demnach im vergangenen Jahr um zwölf Prozent – durchschnittlich 2,5 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) pro Tag. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung habe dagegen Einbußen von elf Prozent erlitten – durchschnittlich 500 Millionen Dollar pro Tag. Gegen die soziale Ungleichheit empfiehlt Oxfam Investitionen in gebührenfreie öffentliche Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherungsnetze.

In dem vor dem am Dienstag beginnenden Weltwirtschaftsforum in Davos vorgelegten Oxfam-Bericht “Public Good or Private Wealth” (Öffentliches Gut oder privater Reichtum) heißt es, in den zehn Jahren seit der Finanzkrise habe sich die Zahl der Milliardäre weltweit nahezu verdoppelt. Ihr Vermögen sei allein 2018 um rund 900 Milliarden Dollar gewachsen.

26 Milliardäre besäßen genauso viel wie die ärmere Häfte der Weltbevölkerung, kritisierte Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima. Das Vermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos, dem reichsten Mann der Welt, sei 2018 auf 112 Milliarden Dollar angewachsen. Das Gesundheitsbudget Äthiopiens entspricht demnach einem Prozent seines Vermögens.

Gleichzeitig könnten sich immer weniger Menschen aus extremer Armut befreien, erklärte Oxfam. Das Tempo, in dem extreme Armut abnimmt, habe sich seit 2013 halbiert. In Teilen Afrikas sei die extreme Armut sogar wieder angestiegen.

Soziale Ungleichheit trifft dem Bericht zufolge vor allem Frauen und Mädchen. Im weltweiten Durchschnitt besitzen demnach Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Frauen bezögen um 23 Prozent niedrigere Gehälter und trügen die Last der Mängel im Gesundheits- und Bildungsbereich. Pro Jahr leisteten sie unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit im Wert von zehn Billionen Dollar, heißt es in dem Bericht. Das entspreche etwa dem 38-fachen Jahresumsatz des VW-Konzerns.

Die deutschen Milliardäre konnten ihr Vermögen laut der Studie im vergangenen Jahr um 20 Prozent steigern. Das reichste Prozent der Deutschen verfüge über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent der deutschen Bevölkerung. Im europäischen und internationalen Vergleich zähle Deutschland zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit. 2017 waren demnach 15,8 Prozent der Bevölkerung von Einkommensarmut betroffen – ein Negativrekord – und jedes fünfte Kind galt als arm.

Öffentliche Angebote in den Bereichen Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung könnten wesentlich dazu beitragen, Armut und Ungleichheit zu verringern, schreibt Oxfam. Doch diese Angebote seien weltweit dramatisch unterfinanziert. Oxfam fordert deshalb Investitionen in öffentliche Bildungs- und Gesundheitsversorgung sowie eine stärkere und wirksamere Besteuerung von Konzernen und Vermögenden.

Um Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen, müssten in der Entwicklungszusammenarbeit Frauenrechte global gestärkt und Frauenorganisationen besser gefördert werden, fordert Oxfam. In Deutschland und der EU gehörten Frauen benachteiligende Regelungen im Steuer- und Arbeitsrecht abgeschafft.

Konzerne und Superreiche müssten zudem ihren fairen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten, fordert Oxfam. Mit schwarzen Listen und wirksamen Strafmaßnahmen könnten Staaten gegen Steueroasen vorgehen und so Steuervermeidung unterbinden. Zudem müssten sie Konzerne angemessen besteuern – etwa mit europa- und weltweiten Mindeststeuersätzen. 

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