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Tausende Schüler protestieren für Klimaschutz

© Leonhard Lenz, CCO

In Deutschland sind am Freitag erneut tausende Schüler und Studenten in einen Streik für Klimaschutz getreten.

Berlin (afp) > Zur womöglich entscheidenden Sitzung der Kohlekommission versammelten sich nach Angaben des Aktionsnetzwerks Fridays for Future mindestens zehntausend junge Menschen zu einem Protestzug durch das Berliner Regierungsviertel. In München waren 3500 Schüler unterwegs, um ihren Unmut über mangelnden Umweltschutz zu zeigen.

Junge Menschen auf der ganzen Welt boykottieren derzeit einmal pro Woche Schulen und Universitäten. Inspiriert werden sie von der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, die jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm für eine Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens protestiert. Die Streikenden, die oftmals noch nicht wählen dürfen, werfen Politik und Wirtschaft vor, die Lösung eines zentralen Zukunftsproblems zu ihren Lasten zu verweigern.

Bereits am vorigen Freitag hatten sich laut Fridays for Future in Deutschland mehr als 25.000 Schüler in Deutschland an den Streiks beteiligt. Im Nachbarland Belgien nahmen am Donnerstag bereits mehr als 30.000 jungen Menschen an den dortigen Klimaschulstreiks teil.

In Berlin versammelten sich die Protestierenden unter anderem vor dem Bundeswirtschaftsministerium, in dem die Kohlekommission tagte. Diese soll über die Zukunft der Kohleverstromung entscheiden. Eine Abordnung der Schüler traf Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) und übergab im Namen des Aktionsnetzwerks einen offenen Brief.

Darin forderten die Schüler die Kommission auf, die “historisch einmalige Möglichkeit” für einen Kohleausstieg nicht verstreichen zu lassen. Es werde voraussichtlich keine vergleichbare Chance mehr geben, einen derart weitreichenden Beitrag zum Klimaschutz und damit zur Wahrung der Zukunft künftiger Generationen zu leisten.

Altmaier sprach anschließend auch direkt vor seinem Ministerium mit den Schülern. Deren Engagement für den Klimaschutz und Deutschlands Zukunft sei “beeindruckend”, erklärte er danach. Auf ihrem Zug durch das Regierungsviertel trugen die Schüler selbstgemalte Plakate mit Botschaften wie “Mit Gejohle gegen Kohle”, “Habt doch Vernunft, wir wollen eine Zukunft”, “Der Preis ist zu heiß” oder “It’s our fucking future” (Es ist unsere verdammte Zukunft).

Die Organisatoren sprachen von mindestens zehntausend Teilnehmern, die mit Bussen und Bahnen aus vielen Städten Deutschlands angereist waren. Die Berliner Polizei nannte in einer ersten Einschätzung eine Demonstrantenzahl im “mittleren vierstelligen Bereich”. In München beteiligten sich nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern weitere 3500 junge Menschen an den Klimaprotesten.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, stellte sich demonstrativ hinter die Schülerstreiks. “Es ist wichtig, dass sich Jugendliche in diesem Staat einbringen”, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Er habe sich als Schulleiter gegen Ordnungsstrafen entschieden. Der ausgefallene Unterricht werde nachgeholt.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) äußerte sich kritischer. “Heute ist es der Klimaschutz, morgen die Angst vor dem Wolf, übermorgen der Weltfrieden – wir werden immer Anlässe finden, wo man sich politisch artikuliert”, sagte er im Mitteldeutschen Rundfunk. Ob Schüler bestraft würden, sei jedoch Sache der Schulen.

Die energiepolitische Fachsprecherin der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden, dankte den Schülern. “Werdet mehr, werdet noch lauter und bleibt dran – wir brauchen Euch”, schrieb sie in einem offenen Brief an die Teilnehmer von Fridays for Future. Gleichgesinnte in Parlamenten und Institutionen seien auf die jungen Leute angewiesen. Deren Einsatz motiviere auch sie und sei “das stärkste Argument” gegen alle Gegner des Klimaschutzes.

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