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Deutschland soll führend bei Sustainable Finance werden

©geralt/CCO

Mit neuer Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung soll Deutschland zu einem führenden Standort für ein nachhaltiges Finanzsystem ausgebaut werden.

Berlin (csr-news) > Sustainable Finance leistet einen Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals und der Pariser Klimaschutzziele. Ein Grund warum die Bundesregierung Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort ausbauen möchte. Der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung, der am Montag tagte, hat einen Beschluss getroffen, um dieses Ziel zu erreichen. Er bezog sich dabei auf die Feststellung des internationalen Peer Reviews 2018, dass Sustainable Finance ein Schlüsselfaktor für die Transformation und Umsetzung der Agenda 2030 ist. Unter Sustainable Finance sei zu verstehen, dass Nachhaltigkeitsaspekte von Finanzmarktakteuren bei Entscheidungen berücksichtigt würden.

Bereits heute würden Banken, Versicherungen, Fonds und weitere Finanzmarktakteure Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen. Insbesondere der Klimawandel und damit zusammenhängende wirtschaftliche Veränderungen (z.B. durch Fluten, Stürme und Dürren oder den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft) stellen auch die Finanzmärkte vor neue Herausforderungen. Bereits aus finanziellem Eigeninteresse müssen sich Finanzmarktakteure mit den für sie resultierenden wesentlichen Risiken und Chancen beschäftigen. Darüber hinaus ermutigte der Staatssekretärsausschuss die Finanzmarktakteure, sich angemessen mit den Folgen ihres Handelns für Menschen und Umwelt auseinanderzusetzen.

Konkret soll ein Beirat mit Beteiligung aus Finanzwirtschaft, Realwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gegründet werden, dessen Aufgabe es ist, die Bundesregierung zu beraten, die Wissengrundlage zu verbessern und wichtige Impulse für die Stärkung von Sustainable Finance in Deutschland zu setzen. Zudem ist ein weiterer Erfahrungsaustausch zu nachhaltigen Finanzen bei bundesnahen Anlagen geplant, sowie eine Überprüfung, ob die Emission von grünen oder nachhaltigen Bundesanleihen in Deutschland innerhalb der vorgesehenen jeweiligen Anschlussfinanzierungen wirtschaftlich ist.

„Es klingt erst einmal gut, dass die Bundesregierung Deutschland zu einem führenden Sustainable Finance-Standort machen will“, sagt Matthias Kopp, Finanzexperte beim WWF Deutschland. „Dabei wird es jedoch zentral sein, die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in das Finanzsystem als solches voranzutreiben und nicht bloß die ‚grüne Nische‘ weiterzudenken.“ Dafür braucht es einen Fahrplan mit konkreten Zwischenschritten und –zielen, der sich auch an dem europäischen Prozess orientiert. Wie Deutschland vom Beobachter dieses Prozesses zum Gestalter wird, lasse der Beschluss allerdings noch offen: „In Brüssel sind die Debatten weiter und erfordern eine klare Zielvorstellung, die Deutschland mitgestalten muss. Bis Mitte des Jahres wird die Agenda für die neue Kommission gesetzt. Was der Staatssekretärsausschuss jetzt beschlossen hat, wäre vor einem Jahr ein guter Vorschlag gewesen“, so Kopp. „Die Vorteile, jetzt und umfassend zu handeln, liegen auf der Hand: Die Stabilität des Finanzmarkts wird erhöht, wenn Umweltrisiken erkannt und vermieden werden, und es zahlt auf übergeordnete Politikziele etwa zum Klimaschutz ein, wenn Gelder in zukunftsfähige Branchen und Unternehmen umgelenkt werden.“

Der WWF Deutschland hat in Zusammenarbeit mit dem Green and Sustainable Finance Cluster Germany sowie Akteuren des Finanzsektors und der Wissenschaft im Vorfeld der Sitzung eine Politik-Roadmap veröffentlicht. Sie soll Impulse geben und dazu beitragen, ein zukunftssicherndes Finanzsystem zu schaffen, das als eine tragende Säule von Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Deutschland dient. „Nachhaltigkeit im Finanzsektor zu etablieren, heißt, Innovationskräfte in Finanz- und Realwirtschaft zu entfalten und Stabilität zu gewährleisten“, so Kristina Jeromin, Co-Geschäftsführerin des Green and Sustainable Finance Cluster Germany. „Genau hier liegt eine Aufgabe der Politik. Insbesondere vor dem Hintergrund von bereits laufenden, intensiven EU-Prozessen zu mehr Nachhaltigkeit im Finanzwesen ist die Bundesregierung gefordert, jetzt zu gestalten, statt noch länger zu warten.“

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