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100 Jahre Internationale Arbeitsorganisation

Guy Ryder, Generaldirektor der ILO, © ILO, Crozet M.

Unter dem Titel „Zukunft schaffen durch soziale Gerechtigkeit und menschenwürdige Arbeit“ wurde das 100-jährige Bestehen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gefeiert.

Berlin (csr-news) > Die ILO ist damit die älteste Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Im Rahmen der Internationalen Arbeitskonferenz im Juni 2019 in Genf wird das ILO-Jubiläum mit Regierungen und Sozialpartnern aus aller Welt international begangen mit dem Ziel, sich auf die Arbeitswelt der Zukunft vorzubreiten und national wie international die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Die Bundesregierung setzt sich in diesem Zusammenhang für eine Abschlusserklärung bei der Internationalen Arbeitskonferenz ein.

Die nationale Festveranstaltung in Deutschland ist der Auftakt zahlreicher nationaler Jubiläumsveranstaltungen in einer Vielzahl von Mitgliedsländern. Die Bundesregierung unterstreicht damit gemeinsam mit den Sozialpartnern die Bedeutung der ILO für eine Bewältigung des technologischen Wandels in der Arbeitswelt, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.

„Die ILO hat in den vergangenen 100 Jahren mit 189 Übereinkommen und 205 Empfehlungen eine Art internationales Arbeits- und Sozialgesetzbuch geschaffen, dessen weltweite Umsetzung vor dem Hintergrund von Globalisierung und Digitalisierung immer wichtiger wird“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. „Nur wenn es gelingt, internationale Arbeitsnormen in allen 187 Mitgliedstaaten der ILO durchzusetzen, werden wir menschenwürdige Arbeit für alle Menschen weltweit gewährleisten und soziale Ungleichheiten in der Welt überwinden können. Ich setze mich deshalb besonders dafür ein, die ILO im multilateralen System weiter zu stärken. Insbesondere junge Menschen weltweit brauchen Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft der Arbeit.“

Guy Ryder, Generaldirektor der ILO: „Die ILO blickt auf eine bemerkenswerte 100-jährige Erfolgsgeschichte zurück, getragen von der gemeinsamen Entschlossenheit von Regierungen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, soziale Gerechtigkeit voranzutreiben und die Welt gerechter, sicherer, und wohlhabender zu machen. Heute führen rasante technologische, demografische, ökologische, soziale und ökonomische Veränderungen zu grundlegenden Transformationen in der Arbeitswelt. Die Chancen sind jedoch ungleich verteilt. Das Vertrauen in Organisationen und öffentliche Politik muss gestärkt werden. Die gemeinsame Festveranstaltung hier in Deutschland zeigt dies beispielhaft. Wir müssen die Erwartungen, Hoffnungen und Ängste der Menschen, besonders der jungen Generation anerkennen und vorausschauend eine am Menschen orientierte Agenda für die Zukunft der Arbeit entwickeln. Die ILO hat das Mandat, im multilateralen Kontext soziale Gerechtigkeit voranzubringen. Wir sind gut aufgestellt, um neue Perspektiven für eine bessere Zukunft mit menschenwürdiger Arbeit für künftige Generationen zu schaffen.“

Zum Geburtstag haben auch das Bundesentwicklungsministerium und die ILO ihre Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Kinderarbeit, der Einhaltung grundlegender Arbeitsstandards in globalen Lieferketten und zu besseren Beschäftigungsmöglichkeiten für die jungen Menschen vor Ort bekräftigt. Dazu unterzeichnen Entwicklungsminister Gerd Müller und ILO-Generaldirektor Guy Ryder eine gemeinsame Erklärung.

Minister Müller erklärt dazu: “Seit 100 Jahren kämpft die ILO für bessere Arbeitsbedingungen in der Welt. In Europa und Deutschland haben wir hohe Arbeitsstandards erreicht. Aber am Anfang globaler Lieferketten herrschen noch immer unglaubliche Bedingungen: Über 150 Millionen Kinder müssen weltweit arbeiten – das ist fast jedes zehnte Kind. Hungerlöhne, Sklavenarbeit und Ausbeutung sind längst nicht überwunden. Das können wir nicht einfach so hinnehmen. Arbeitsrechte sind überall auf der Welt gleich viel wert. Wir können nicht noch weitere 100 Jahre warten, bis die schlimmsten Formen der Ausbeutung abgeschafft sind. Deswegen habe ich mit ILO-Generaldirektor Ryder einen Sofort-Aktionsplan gegen Kinderarbeit beschlossen. Bis Juni legen wir in den am meisten betroffenen Wirtschaftsbereichen konkrete Ziele fest.”

Die Internationale Arbeitsorganisation:

  • Sonderorganisation der Vereinten Nationen (187 Mitgliedstaaten)
  • 1919 im Zuge der Versailler Friedensverträge gegründet (UN Gründung 1945)
  • Leitidee: „Der Weltfriede kann auf Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden“
  • Ziel: „Förderung sozialer Gerechtigkeit durch menschenwürdige Arbeit“
  • Verantwortlich im UN System für Internationale Arbeits- und Sozialstandards
  • Einzige dreigliedrige UN-Organisation: Vertreter von Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden entwickeln gemeinsam Arbeits- und Sozialstandards (Normsetzungsverfahren)
  • Implementierung von Strukturen und Prozessen vor Ort zur Durchsetzung von Arbeits- und Sozialstandards (z.B. Gründung von Gewerkschaften, Verbesserung von Arbeitsschutz, Bekämpfung von Kinder- und Zwangsarbeit))
  • August 2017 Einrichtung einer unabhängigen Globalen Kommission zur Zukunft der Arbeit (Deutsches Mitglied Thorben Albrecht, Staatssekretär a.D.)
  • Januar 2019 Veröffentlichung des Berichts „Für eine bessere Zukunft arbeiten“

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