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Streit um Krebsgefahr durch Glyphosat

© Erich Westendarp/CCO

Löst der weltweit am weitesten verbreitete Pflanzenvernichter Glyphosat Krebs aus? Es ist eine Frage, über die Wissenschaftler und Öffentlichkeit seit Jahren streiten.

Frankfurt (afp) > Sowohl der Glyphosat-Hersteller Monsanto als auch dessen Gegner verweisen dabei auf wissenschaftliche Studien, die ihre jeweilige Position unterstützen sollen. Glyphosat-Gegner stützen sich vor allem auf die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese kam nach der Auswertung zahlreicher Studien im März 2015 zu der Einschätzung, dass Glyphosat “wahrscheinlich krebserregend für Menschen” sei. Die IARC hat aber selbst erklärt, dass die Einschätzung, dass ein Stoff wahrscheinlich Krebs erregt, noch nichts darüber aussagt, ob und wie oft er das in der Praxis tut. Dafür sind die nationalen Zulassungsbehörden zuständig.

Der neue Monsanto-Eigentümer Bayer erklärt, es gebe “mehr als 800 Studien”, die bestätigten, dass glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel “bei sachgemäßer Verwendung sicher” seien. Insbesondere eine vom Nationalen Krebsinstitut der USA unterstützte Langzeitstudie, die über 50.000 Anwender von Pflanzenschutzmitteln mehr als 20 Jahre lang begleitete, fand laut Bayer “keinen Zusammenhang zwischen glyphosatbasierten Herbiziden und Krebs”. Die Studie wurde nach der IARC-Einschätzung veröffentlicht. Dabei handelt es sich laut Bayer um “die größte und aktuellste epidemiologische Studie”.

Kritiker werfen Monsanto und Bayer allerdings vor, missliebige Studienergebnisse zu manipulieren und zurückzuhalten. Die Konzerne wehren sich gegen diese Vorwürfe. Bayer legte deshalb erst im Dezember Zusammenfassungen zu 300 Glyphosat-Studien offen und will nochmal nachlegen. Zudem muss auch die Lebensmittelbehörde Efsa einem Gerichtsurteil folgend Zugang zu bislang geheimen Untersuchungen gewähren.

Den Bewertungen der Zulassungsbehörden lagen diese Untersuchungen allerdings zugrunde. Weltweit haben wichtige Behörden wie Efsa oder das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung nach dem IARC-Bericht die Studienlage zu Glyphosat nochmal ausgewertet. Sie kamen zum Schluss, dass die Anwenderauflagen für glyphosathaltige Herbizide nicht verschärft werden müssen.

Der Zulassungsprozess wurde zudem jüngst erneut von einer Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofs geprüft. Sie kam ebenfalls zu dem Schluss, dass es keine Beweise gebe, dass die EU bei der Glyphosat-Zulassung “offensichtlich fehlerhaft gehandelt” habe.

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