CSR_NEWS Klimaschutz Management Topnews

Verantwortliches Klimamanagement im Unternehmen

Dr. Jochen Gassner, CEO der First Climate Markets AG

Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen kommt neben Politik und Zivilgesellschaft insbesondere Unternehmen eine zentrale Bedeutung zu. „Nur durch die klimafreundliche Umgestaltung der Wirtschaftssysteme kann es gelingen, das 2 °C-Ziel zu erreichen“, ist Jochen Gassner, CEO der First Climate Markets AG, überzeugt.

Von Dr. Jochen Gassner

Das Pariser Abkommen ist ein Meilenstein der internationalen Klimaschutzbemühungen. Die Unterzeichnerstaaten bekennen sich damit völkerrechtlich verbindlich dazu, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Anstieg der globalen Temperaturen auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen. Gleichwohl: Trotz der Zusagen auf Grundlage der Klimaschutz-Selbstverpflichtungserklärungen der einzelnen Staaten besteht noch immer eine große Kluft zwischen dem Emissionspfad, auf dem sich die Weltgesellschaft derzeit befindet und den Emissionsreduktionen, die erreicht werden müssen, um die gravierendsten Folgen der Klimakrise abzuwenden.

Es ist absehbar, dass staatliches Handeln allein nicht ausreichen wird, um diese Kluft, die als „Ambitionslücke“ bezeichnet wird, zu schließen. Dem privaten Sektor und insbesondere den Unternehmen kommt deshalb im Klimaschutz eine zentrale Bedeutung zu. Nur durch die klimafreundliche Umgestaltung der Wirtschaftssysteme kann es gelingen, das 2 °C-Ziel zu erreichen.

Der Handlungsrahmen:

Zeitgemäßes Klimamanagement im Unternehmen

Grundvoraussetzung für ein zeitgemäßes Klimamanagement ist eine umfassende Inventarisierung der CO2-Emissionen eines Unternehmens. Darauf aufbauend ergeben sich für Unternehmen zwei Handlungsanforderungen zur erfolgreichen Umsetzung ihrer Dekarbonisierungsstrategie:

In einem ersten Schritt geht es darum, die eigenen Klimaschutzambitionen zu überprüfen und gegebenenfalls zu erhöhen. Die Herausforderung besteht darin, diese mindestens 2 °C-kompatibel zu gestalten und dadurch sicherzustellen, dass der zur Erreichung der Ziele notwendige Klimaschutzbeitrag der individuellen Verantwortung angemessen ist. In einem zweiten Schritt haben Unternehmen dann die Möglichkeit, über marktbasierte Mechanismen einen Beitrag zur Finanzierung zusätzlicher externer Klimaschutzmaßnahmen zu leisten, die dazu beitragen, Emissionen zu senken, bzw. den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen zu verhindern.

Ambitionen erhöhen, Emissionen reduzieren:

Die Bedeutung von Klimazielen

Bei der Entwicklung einer Klimastrategie sieht sich jedes Unternehmen unweigerlich mit der Frage konfrontiert, wie der eigene „faire Anteil“ am weltweiten Klimaschutz zu erfassen ist – also welcher Beitrag zur Emissionsminderung für das individuelle Unternehmen als angemessen gelten kann.

Mit der Einführung von wissenschaftsbasierten Klimazielen können Unternehmen diese Frage für sich beantworten. Als wissenschaftsbasiert gelten unternehmerische Klimaziele dann, wenn sie nachweislich im Einklang mit dem globalen Klimaziel stehen, die Erwärmung der Erdatmosphäre auf weniger als 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Für die Berechnung des individuellen Emissionsbudgets auf Unternehmensebene kann auf den Ansatz der Science-Based Targets zurückgegriffen werden. Unter dem Dach der Science-Based Targets Initiative arbeiten mit CDP, UN Global Compact, World Resources Institut und dem World Wide Fund for Nature wichtige Netzwerke, Organisationen, Unternehmen und Think Tanks aus dem Bereich Umwelt- und Klimaschutz zusammen, um die Entwicklung und Einführung wissenschaftsbasierter Klimaziele auf breiter Basis voranzutreiben.


Die First Climate Markets AG ist in diesem Jahr Klimaschutz-Partner des Deutschen CSR-Forums und sorgt für den Ausgleich der unvermeidbaren CO2-Emissionen, die durch die Veranstaltung entstehen. Außerdem spricht Jochen Gassner in einer Keynote über “Marktbasierte Klimaschutzansätze für Unternehmen”. Das CSR-Forum findet am 3. April 2019 in Stuttgart statt.


Ausgangspunkt für die Zielsetzung ist dabei ein globales Emissionsbudget, das nicht überschritten werden darf, wenn es gelingen soll, die Klimaerwärmung innerhalb der vom Pariser Klimaschutzabkommen definierten Grenzen zu halten. Die Science Based Targets Initiative stützt sich dabei auf die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) sowie der Internationalen Energieagentur (IEA). Unter Berücksichtigung sozio-ökonomischer Daten liefert die Science Based Targets Initiative unterschiedliche Klimazielmodelle und Berechnungsansätze mit deren Hilfe sich der „faire Anteil“ jedes Unternehmens am verbleibenden Kohlenstoffbudget genau berechnen lässt.

Wissenschaftsbasierte Klimaziele ermöglichen es, klimarelevante Reduktionspotenziale im Unternehmen oder auch in der Lieferkette zu identifizieren und durch die gezielte Anpassung interner Prozesse und Strukturen zu erschließen. Darüber hinaus bieten sie dadurch auch einen wichtigen Hebel zur Minimierung legislativer, markt-spezifischer und regulatorischer Risiken, denen sich ein Unternehmen in seinem jeweiligen Marktumfeld ausgesetzt sieht. Auch aus operativer Sicht kann die Einführung wissenschaftsbasierter Klimaziele deshalb durchaus sinnvoll sein.

Klimafinanzierung:

Marktbasierte Mechanismen für die Vermeidung und die Kompensation von CO2-Emissionen

Neben der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen im Unternehmen bzw. der Lieferkette eines Unternehmens sind die Umstellung der Energiebeschaffung und der Bezug von Strom aus regenerativer Erzeugung wichtige Mittel, um CO2-Emissionen aus der Geschäftstätigkeit schnell und effizient zu senken. Nach Schätzungen der RE100-Initiative, einem internationalen Zusammenschluss von Unternehmen, die sich dem Ziel „100 Prozent erneuerbare Energie“ verschrieben haben, ist das CO2-Minderungspotenzial enorm. Ein vollständiger Umstieg des Privatsektors auf regenerativ erzeugte Energien würde demnach bis zu 15% der globalen CO2-Emissionen einsparen.

Unternehmen, die regenerative Energien nutzen möchten, haben bei der Beschaffung grundsätzlich mehrere Möglichkeiten. Dazu zählt beispielsweise die Errichtung von Anlagen zur Eigenerzeugung von Strom aus regenerativen Quellen, wie beispielsweise PV- oder Windkraftanlagen. Auch der bilaterale Vertragsschluss mit Anlagenbetreibern im Rahmen von sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs) ist denkbar und kann bei entsprechender Ausgestaltung einen Beitrag zum Ausbau regenerativer Erzeugungskapazitäten und zur Senkung elektrizitätsbedingter CO2-Emissionen leisten.

Das wichtigste und meistgenutzte Instrument für die Versorgung mit Grünstrom sind aber nach wie vor Energy Attribute Certificates (EACs). Unternehmen können diese Grünstrom-Herkunftsnachweise nutzen, um die mit ihrem Stromverbrauch verbundenen CO2-Emissionen auszugleichen – eine sehr flexible Lösung zur Grünstromversorgung, die weltweit nutzbar ist und auch im Rahmen des CDP-Nachhaltigkeitsreportings voll emissionsmindernd anerkannt wird.

Marktbasierte Mechanismen zur Senkung von CO2-Emissionen stehen aber nicht nur bei der Energiebeschaffung zur Verfügung, sondern lassen sich auch zur Kompensation anderer unvermeidbarer Emissionen nutzen, die sich aus dem Geschäftsbetrieb eines Unternehmens ergeben. Über den Kauf von CO2-Minderungsnachweisen im Rahmen des freiwilligen CO2-Markets können Unternehmen zur Finanzierung weltweiter Klimaschutzprojekte beitragen, die ansonsten nicht durchführbar wären. Diese Zusätzlichkeit ist das zentrale Qualitätskriterium, das erfüllt sein muss, damit die Kompensation von unvermeidlichen Emissionen einen echten ökologischen Mehrwert bieten kann. Unter dieser Voraussetzung leistet die CO2-Kompensation einen wichtigen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Ein ganzheitliches und zeitgemäßes Klimamanagement beginnt mit der Inventarisierung der CO2-Emissionen. Darauf aufbauend bildet die Formulierung eines 2 °C-kompatiblen Klimaziels die Basis für effektiven Klimaschutz im Unternehmen, zu dem schließlich auch die Beschaffung von regenerativer Energie sowie die Unterstützung internationaler CO2-Minderungsprojekte beitragen können.


Dr. Jochen Gassner ist CEO der First Climate Markets AG, eines international tätigen Anbieters von Lösungen für Klimaschutz und regenerative Energieversorgung. First Climate entwickelt Emissionsminderungsprojekte und unterstützt Unternehmen weltweit mit Angeboten rund um Klimaneutralität, Grüne Energie und Wassermanagement dabei, ihre Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar