Agenturmeldung Klimaschutz Nachrichten

Deutsche Treibhausgas-Emissionen gesunken

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[aktualisiert] Die deutschen Treibhausgasemissionen sind im vergangenen Jahr nach vier Jahren Stagnation erstmals wieder gesunken.

Entgegen ersten Meldungen hat das Umweltbundesamt die veröffentlichten Zahlen korrigiert. Die geschätzten Rückgänge bei den Treibhausgasemissionen fallen etwas höher aus als zunächst mitgeteilt: Statt 4,2 Prozent sind die Emissionen um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen; statt 38 Millionen Tonnen wurden rund 41 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase ausgestoßen. Alle Werte haben wir im Beitrag und den Grafiken korrigiert.

Berlin (afp) > Der Rückgang betrug 4,5 Prozent, wie das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesumweltministerium am Dienstag in Berlin mitteilten. Im Vergleich zum Jahr 1990 habe Deutschland seine Emissionen damit um 30,6 Prozent gesenkt – das 40-Prozent-Minderungsziel für 2020 bleibt also in weiter Ferne.

Insgesamt wurden in Deutschland 2018 den Angaben zufolge 865,6 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, rund 41 Millionen Tonnen weniger als 2017. Deutliche Emissionsrückgänge gab es demnach in der Energiewirtschaft und bei privaten Haushalten. Ein leichter Rückgang sei aber auch im Verkehrssektor zu verzeichnen gewesen. Als Ursachen für die Minderung insgesamt nannte das Umweltbundesamt einen sinkenden Verbrauch fossiler Energien, aber auch die außergewöhnlich warme Witterung.

“Deutschland hat 2018 deutlich mehr Energie aus Wind und Sonne gewonnen und zugleich weniger Kohle, Öl und Gas verbrannt”, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Der Rückgang der Emissionen liege zwar zum Teil an Witterungs- und anderen Sondereffekten, er zeige aber auch, dass “Klimaschutzmaßnahmen wie Ökostromausbau, Kohleausstieg und Emissionshandel wirken”.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger hob die Bedeutung der erneuerbaren Energien für die notwendige, weitere Emissionssenkung hervor. Allein 2018 hätten diese “rund 184 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden”, davon allein 75 Millionen Tonnen die Windenergie. Krautzberger warnte daher vor pauschalen Vorschriften zu Mindestabständen von Wohngebieten, damit der Windenergie-Ausbau nicht ins Stocken gerate. Stattdessen sollten Umwelt- und Gesundheitsfragen “jeweils vor Ort individuell geprüft werden”.

Umweltverbände begrüßten zwar den Rückgang der Emissionen, werteten die Klimapolitik der Regierung aber als völlig unzureichend. “Die Deutschen haben schlicht weniger geheizt”, verwies Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid auf die Wirkung des milden Wetters. Der CO2-Ausstoß im Verkehr sei zwar minimal gesunken, liege aber über dem Stand vor 30 Jahren. 

Von einer “verheerenden Bilanz” der deutschen Klimapolitik sprach WWF-Klimaexperte Michael Schäfer. Statt den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen, sei dieser im vergangenen Jahr um elf Prozent gesenkt worden.

Eigentlich hatte sich die Bundesregierung darauf festgelegt, die Emissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu verringern. Dieses Ziel gilt allerdings seit einiger Zeit schon als nicht mehr erreichbar. Bis 2030 hat sich die Regierung zu einer Emissionsminderung um mindestens 55 Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 verpflichtet.

Um dies zu erreichen, “habe ich den Entwurf eines Klimaschutzgesetzes vorgelegt mit einem verbindlichen Fahrplan und klaren Verantwortlichkeiten”, erklärte dazu Schulze. “Dieses Gesetz muss in diesem Jahr beschlossen werden, ebenso wie Maßnahmenpakete in allen Bereichen, damit Deutschland wieder auf Zielkurs kommt.”

Die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum wertete den Emissionsrückgang als “Tropfen auf dem heißen Stein”. Um bisherige Versäumnisse wieder aufzuholen, müsse die Regierung “umgehend einen steileren Reduktionspfad einschlagen” mit rasch wirkenden Maßnahmen “wie dem sofortigen Kohleausstieg”. Von einer “Arbeitsverweigerung” der Regierung beim Klimaschutz sprach Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Einen “massiven sozial-ökologischen Umbau” verlangte der Linken-Klimaexperte Lorenz Gösta Beutin.

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