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Lebensmittelindustrie entwickelt eigenes Modell

[aktualisiert] Kreisdiagramme statt Ampel: Die deutsche Lebensmittelindustrie hat ein eigenes Modell zur vereinfachten Darstellung des Nährwertgehalts in Nahrungsmitteln entwickelt.

Berlin (afp/csr-news) > Wie der Branchenverband Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) am Donnerstag mitteilte, sollen Kreisdiagramme die Mengen an Kalorien, Fett, Zucker und Salz eines Produkts im Verhältnis zur empfohlenen Tagesmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen darstellen. 

Die Bezugsgröße des Modells soll dabei grundsätzlich 100 Gramm oder Milliliter sein. Bei Packungen mit einer Füllmenge unter 100 Gramm oder Milliliter ist ein Portionsbezug demnach ebenfalls möglich.

Mit seinem neuen Modell tritt der BLL in Konkurrenz zu anderen Systemen wie der Lebensmittelampel oder dem Nutriscore. “Es gibt weltweit 150 Kennzeichnungsmodelle, davon 80 mit Nährwertbezug”, erklärte BLL-Präsident Stephan Nießner. Jedes habe seine Vor- und Nachteile, doch keines finde in der Branche mehrheitlich Unterstützung. Daher nun der eigene Vorschlag.

Den Unternehmen ist wichtig, dass ihr Modell Lebensmittel nicht in gut und schlecht unterteilt. “Eine subjektive Bewertung, beispielsweise durch die Verwendung von Ampelfarben, die den Verbrauchern eine Empfehlung suggerieren, lehnt der BLL angesichts unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben ab”. 

Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung könnten Verbraucher Lebensmittel mit unterschiedlichem Nährwertgehalt kombinieren – “nicht nur Müsli, sondern auch Brot, nicht nur Fleisch, sondern auch Fisch, nicht nur Käse, sondern auch Wurst”.

Die Kriterien des Wirtschaftsmodells sind:


Die Kreisdiagramme werden allerdings nicht das Ende des Kennzeichnungsstreits sein. “Alle Unternehmen eint die Meinung, dass die Diskussion und das Bemühen um einen einheitlichen europäischen Ansatz weiter fortgesetzt werden sollte, denn unterschiedliche Kennzeichnungssysteme schaffen einen zersplitterten Binnenmarkt”, erklärte Nießner. “Das ist das, was sich die Lebensmittelwirtschaft am allerwenigsten leisten kann.”

Die ernährungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Ursula Schulte, nannte den Vorschlag des BLL “keinesfalls überzeugend”. Einfache farbliche Kennzeichen funktionierten auf den ersten Blick, das zeigten Beispiele in anderen europäischen Ländern. “Alles andere steht doch bereits auf den Verpackungen und wird kaum gelesen.”

Ihr dränge sich der Verdacht auf, “dass die Wirtschaft nur halbherzig dabei ist”. Es gehe darum, besonders Kinder vor Fettleibigkeit mit allen gesundheitlichen Folgen zu bewahren. “Langsam spreche ich mich doch für die Zuckersteuer aus, denn meine Geduld neigt sich dem Ende zu.”

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert die Hersteller auf, auf den sogenannten Nutriscore umzusteigen – einen fünfstufigen Farbcode von Grün nach Rot, den etwa Frankreich, Belgien und Spanien unterstützen. Dabei werden verschiedene Inhaltsstoffe wie Salz, Zucker und Fruchtgehalt mit Punkten bewertet und zu einem Score verrechnet. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo angekündigt, künftig den Nutriscore auf ihren Verpackungen abzubilden.

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