Agenturmeldung Nachrichten

Auf die Herkunft des Stroms kommt es an

© Ovi C/CCO

Elektroautos haben in der Bevölkerung nach wie vor mit großen Vorurteilen zu kämpfen.

Von Florian Müller

Frankfurt/Main (afp) > Knapp die Hälfte der Deutschen hat laut einer neuen Umfrage des Allensbach-Instituts Zweifel, dass Elektroautos umweltfreundlicher sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Nahrung bekommen die Zweifler durch Studien wie kürzlich die des ehemaligen Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn, wonach die Ökobilanz der Stromer schlechter ausfällt als die moderner Diesel.

Tatsächlich beeinflussen viele Faktoren, welches Fortbewegungsmittel wann am umweltfreundlichsten ist. Niemand hat sich bislang die Mühe gemacht, eine große Anzahl Verbrennerautos im Alltagstest E-Fahrzeugen gegenüberzustellen. Stattdessen basieren die meisten Studien auf Modellrechnungen.

Und dort müssen die Forscher eine Menge Annahmen treffen: Aus welchen Quellen stammt beispielsweise die Energie, die bei der Produktion und dem Fahren von E-Autos verbraucht wird? Wie viel Energie verbrauchen die Fahrzeuge überhaupt in der Herstellung und im Alltag? Wie lange fahren die Autos auf der Straße? Werden reale Fahrzeuge oder Durchschnittswerte verglichen?

Der Studie des Ifo-Instituts zufolge stößt ein Elektroauto während der Produktion und Laufzeit im schlimmsten Falle 28 Prozent mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus als ein Dieselauto. Allerdings wählten die Ifo-Forscher für E-Autos sehr ungünstige Annahmen wie eine überdimensionierte Batterie, deren Herstellung viel Energie verbraucht. Auch rechneten sie die Lebensdauer der Akkus unrealistisch kurz. Für den Verbrauch der Verbrenner nutzen sie wiederum Herstellerangaben, die mithilfe veralteter und schummelanfälliger Labortests ermittelt wurden.

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) kommt zum komplett umgekehrten Ergebnis: Wer heute ein batteriebetriebenes Elektroauto kauft und in Deutschland nutzt, stößt bei einer Nutzungsdauer von durchschnittlich 13 Jahren bis zu 28 Prozent weniger Treibhausgasemissionen aus als ein Oberklasse-Diesel und bis zu 42 Prozent weniger als ein Kleinwagen-Benziner. Berechnungen vom Bundesumweltministerium, dem Paul Scherrer Institut, ICCT, der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft und Agora Energiewende kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Grund für das hohe Einsparpotenzial bei Elektroautos ist laut ISI-Studie vor allem die voranschreitende Energiewende: Der steigende Anteil erneuerbarer Energie am Strommix werde dazu führen, dass der Ausstoß klimarelevanter Gase bei der Stromerzeugung in Deutschland immer weiter sinkt. Diesen Vorteil haben Verbrennungsmotoren nicht.

Die Emissionen bei der Herstellung machen so einen immer größeren Anteil am gesamten CO2-Ausstoß von E-Autos aus. Allein die Batterieproduktion hat je nach Studie einen Anteil zwischen einem Drittel und der Hälfte an den Gesamtemissionen. Doch auch diese könnten künftig sinken, denn große Hersteller wie Tesla, BMW und Volkswagen versprechen, ihre Fabriken auf Ökostrom umzustellen.

Auch beim Bezug der Rohstoffe für die Batterieproduktion wie Lithium, Kobalt oder Nickel versprechen die Hersteller hohe Standards. Beim Abbau dieser Rohstoffe gibt es immer wieder Umwelt- und Menschenrechtsverstöße. Deshalb lassen die Hersteller ihre Lieferketten von unabhängigen Organisationen auf solche Missstände überprüfen.

Die Ifo-Forscher verwiesen auf ihrer Ansicht nach umweltfreundlichere Alternativen wie Erdgas oder Wasserstoff. Doch auch dafür ernten sie heftigen Widerspruch von Kollegen. Denn während Erdgas der Atmosphäre zusätzliches CO2 hinzufügt, geht bei der Herstellung von Wasserstoff noch viel Energie verloren, die E-Autos direkt nutzen können.

Hinterlassen Sie einen Kommentar