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Studierende zu verantwortungsvollen Führungskräften ausbilden

Das Jenaer Führungsethik-Team (v.l.n.r.): PD Dr. Reyk Albrecht, Clemens Hoffmann, Lena Saniye Güngör, Prof. Dr. Volker Woest. © Anne Günther/FSU

Ein Interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Jena startet ein Projekt zum Thema Führungsethik.

Jena (csr-news) > Studierenden frühzeitig Führungskompetenzen vermitteln und das Thema Führungsethik in den Lehrplan naturwissenschaftlicher und technischer Studienfächer integrieren: Das ist das Ziel des neuen Verbundprojektes „Führungsethik als Ethik in den Wissenschaften – Von der Theorie zur Praxis in Hochschule und Unternehmen“, an dem ein interdisziplinäres Team der Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt ist. Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert das Projekt mit insgesamt 1,2 Mio. Euro für die kommenden drei Jahre. Projektpartner sind das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen, welches die Koordination des Gesamtprojektes übernimmt, das Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung der Universität Mainz und das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik.

Skandale präventiv verhindern

Skandale wie die Manipulationen in der Automobilindustrie und die öffentlichen Diskussionen um die gesellschaftliche Verantwortung von IT-Konzernen und Social-Media-Plattformen machen es deutlich: Führungskräfte werden ihrer Verantwortung, vor allem im Sinne einer Führungsethik, nicht immer gerecht. Gerade Absolventinnen und Absolventen der sogenannten MINT-Studiengänge (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) arbeiten häufig in Führungspositionen, doch im Laufe des Studiums werden Führungskompetenzen und damit verbundene ethische Fragen kaum thematisiert. Genau diese Lücke möchte nun das neue Forschungsprojekt schließen.

Das Jenaer Team um Prof. Volker Woest, Leiter der Arbeitsgruppe Chemiedidaktik, wird dafür passende Lehrangebote wie Lehrveranstaltungen, Lehrmaterialien und eine Lernplattform entwickeln. Diese sollen insbesondere auf Master-Studierende, aber auch auf Promovierende aus naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern zugeschnitten sein. So sollen sich die Studierenden praxisorientiert mit verantwortungsvoller Unternehmens- und Mitarbeiterführung auseinandersetzen können. Geplant ist zunächst eine Pilotphase, in der das Team die Lehr- und Lernmodule testet und gemeinsam mit den Verbundpartnern evaluiert. Langfristiges Ziel ist es, die entwickelten Lehr- und Lernmodule strukturell in den Studienplan zu integrieren und später auf andere Studienorte zu übertragen. „Unsere neuen Lehrangebote sollen den Studierenden Raum geben, Erfahrungen in einem Bereich zu sammeln, der im späteren Berufsalltag mit hoher Wahrscheinlichkeit eine wichtige Rolle spielen wird“, sagt Volker Woest, der Koordinator des Jenaer Teilprojekts.

Naturwissenschaften mit Geistes- und Sozialwissenschaften verknüpft

Das Projekt verknüpft die Naturwissenschaften mit den Geistes- und Sozialwissenschaften, insbesondere mit der Didaktik, Ethik und Psychologie: Zum Jenaer Team gehören Prof. Woest, Clemens Hoffmann und Lena Saniye Güngör von der Arbeitsgruppe Chemiedidaktik sowie PD Reyk Albrecht vom Lehrstuhl für Angewandte Ethik und dem Ethikzentrum der Universität Jena. Die Forschungsgruppe will sich zudem mit Graduiertenschulen und weiteren Einrichtungen innerhalb der Universität sowie mit Unternehmen und Berufsverbänden vernetzen. „In der Medizin gibt es schon lange ein starkes Bewusstsein für Fragen der Führungsethik und entsprechend werden diese auch im Medizinstudium thematisiert“, sagt Projektmitarbeiterin Lena Saniye Güngör. „Wir wollen ethische Probleme für den Kontext der MINT-Studierenden anwendbar machen und zeigen: Das Thema Ethik ist auch in naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen von enormer Bedeutung“, so Güngör.

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