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Viel Schmutz hinter der glamourösen Filmfassade

© Hermann Traub/CCO

Das Filmfestival in Cannes lässt bei den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu wünschen übrig.

Von Estelle Emonet

Cannes (afp) > Während des Filmfestivals in Cannes hat sich die Stadt an der Côte d’Azur wieder einmal als glamouröse Filmmetropole präsentiert, in der sich Publikum und Stars aus aller Welt wohl fühlen. Doch hinter den Kulissen wird an der Umwelt gesündigt, wie Naturschützer beklagen. Die energiefressenden Yachts der Stars, Fahrten in großen Limousinen und weggeworfenes Gourmetessen bescheren dem Festival in puncto Nachhaltigkeit keine gute Bilanz.

“Ohne Frage gibt es eine Menge Dinge, die die Organisatoren tun müssen, um das Festival umweltfreundlicher zu machen”, sagt der Filmemacher und Klimaaktivist Cyril Dion. Er startete einen Aufruf an die Filmwelt, gegen die Umweltverschmutzung zu kämpfen.

Auch die Umweltorganisation Aden weist auf die Kehrseiten hin: “Während des Festivals verdreifacht sich die Zahl der Bewohner, und all diese Leute müssen reisen”, gibt Aden-Chefin Geneviève Huchet zu bedenken. Stars aus der Filmbranche ließen sich nach Cannes oder Nizza fliegen und dann von Fahrzeugkonvois in ihre Hotels oder auf ihre Yachten bringen. Die Motoren der Luxusschiffe liefen dann “den ganzen Tag, damit sie Strom haben”, empört sich Huchet.

Der rote Teppich des Festivals werde täglich drei bis vier Mal erneuert, sagt sie. Außerdem würden massenhaft Flyer mit den täglichen Filmprogrammen gedruckt, die nicht selten auf der Straße oder im Meer landeten. Hinzu kämen zahlreiche Hochglanz-Sonderausgaben von Magazinen wie “Hollywood Reporter” oder “Variety”.

Das Festival führe zu einem “wahnsinnigen Konsumverhalten”, kritisiert Aden-Chefin Huchet. Und das erzeuge wiederum riesige Müllberge. 2015 etwa seien in Cannes durch das Festival 1900 Tonnen Abfall zusätzlich entstanden, erklärt Aden unter Berufung auf die jüngsten bekannten Zahlen.

Einen riesigen Anteil an den Müllbergen haben demnach die Stars. “Sie ordern Berge von Blumen und bestellen sie dann wieder ab”, betont Huchet. “Denken Sie nur an das Essen, das sie ordern, und wie viel davon weggeworfen wird.”

Auch die Feuerwerke, die die Stars während Partys ausrichten lassen, sind den Umweltschützern ein Dorn im Auge. Abgesehen von dem Krach entstehe dabei Feinstaub, der Seevögeln und Meeresbewohnern schade, rügen sie.

Dass viele Stars im Privatjet nach Cannes reisen, hat besonders schwere Folgen für Umwelt und Einwohner. Vergangenes Jahr gab es im Festival-Monat Mai nach Angaben des Flughafens von Cannes 1700 Starts und Landungen von Privatjets. Das sind im Schnitt 54 pro Tag. “Die Stars kommen her, das ist alles sehr schön, aber mit ihren lauten Jets ruinieren sie unser Leben”, sagt Albert Dauphin, der eine örtliche Initiative gegen Fluglärm leitet.

Der Bürgermeister von Cannes, David Lisnard, beteuert, die Stadtverwaltung tue, was sie könne, um die Umweltbelastung durch das Festival gering zu halten. So sei der rote Teppich aus recyclebarem Material, und bei jedem Feuerwerk würden die Überreste weggeräumt. Zugleich räumt er ein, dass viele Stars sich als Umweltschützer präsentieren, “während es in der Realität einige Widersprüche gibt”.

Die Stadtverwaltung jedenfalls lasse den Stars keine Umweltsünden durchgehen, beteuert Lisnard. Wenn etwa der US-Schauspieler Leonardo DiCaprio, der in Cannes neben dem Quentin-Tarantino-Film “Once Upon a Time… in Hollywood” auch seinen Umwelt-Dokumentarfilm “Ice on Fire” vorstellte, aus seiner Yacht Müll im Meer verklappen würde, würde er “genauso bestraft wie alle anderen”.

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