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Wirtschaft beim Umweltschutz aufgewacht

Kai Michael Beckmann, Direktor bei der Unternehmensberatung Mazars © Mazars

Statt klimafreundlicher Produkte setzen Firmen bislang eher auf Kompensationszahlungen.

Von Florian Müller

Schüler gehen für den Klimaschutz auf die Straße, die Politik diskutiert über eine CO2-Steuer – der Druck auf Unternehmen, die Umwelt besser zu schützen, wächst. “Man könnte meinen, die Wirtschaft ist aufgewacht”, sagt der Nachhaltigkeitsexperte Kai Michael Beckmann von der Unternehmensberatung Mazars im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Viele Firmen wie kürzlich erst Bosch oder Daimler verkünden nun konkrete Pläne, bis wann und wie sie aufhören wollen, dem Klima zu schaden.

“Die Initiative für nachhaltige Finanzierung der EU-Kommission war ein Weckruf an die Unternehmen”, sagt Beckmann. Die Europäische Union will unter anderem Definitionen für nachhaltige und nicht nachhaltige Unternehmen liefern, Pflichten für institutionelle Anleger und Vermögensverwalter festlegen sowie Nachhaltigkeit in die Anlageberatung einbeziehen.

Im vorauseilenden Gehorsam wollen viele Investoren nun neben den finanziellen Kennzahlen auch die Klimabilanz sehen, beobachtet Beckmann. “In einigen Jahren werden die Unternehmen nur noch Geld vom Kapitalmarkt bekommen, wenn sie vorher ihre Nachhaltigkeit bewiesen haben”, prognostiziert der Berater.

“Die Unternehmen können und werden nicht auf die Politik warten”, sagt Beckmann. Die Dax-Unternehmen hätten das verstanden. “Sie wissen mittlerweile genau, wie groß der CO2-Fußabdruck ihrer gesamten Lieferkette ist.” Kleinere Unternehmen seien etwas hinterher, da sei der öffentliche Druck nicht so groß.

Geht es um konkrete Schritte, wählen laut Beckmann noch immer viele Unternehmen einen Umweg: “Statt die Produkte klimafreundlicher zu gestalten, bezahlen sie für Kompensationsmaßnahmen. So müssen sie an den Produkten selbst erst einmal nichts ändern.”

Manche Unternehmen wälzten aber auch diese Verantwortung auf ihre Kunden ab. Bei vielen Fluglinien können Passagiere beispielsweise freiwillig mehr bezahlen, wenn ihr CO2-Ausstoß ausgeglichen werden soll.

“Die Politik muss Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen, um den realen CO2-Ausstoß zu reduzieren”, fordert Beckmann. Durch das ständige Verschleppen notwendiger Reformen habe der deutsche Markt Innovationen verpasst, beispielsweise die Elektromobilität. Weil die Vorschriften nicht streng genug waren, seien Autos nur auf dem Papier sauberer geworden, nicht aber auf der Straße.

Doch die Gesellschaft toleriere das nicht mehr: “Bei den Jugendlichen haben sich die Werte verschoben”, glaubt Beckmann. “Es gibt immer mehr, die keinen Führerschein mehr machen und fürs Klima auf die Straße gehen”. Die Europawahl habe gezeigt, wie wichtig der neuen Wählergeneration der Klimaschutz ist. Sie erwarte, dass die Unternehmenschefs liefern.

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