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Gar nicht so selten – aber schwer zu gewinnen

© Tom Fisk

Die Produktion Seltener Erden lässt sich kurzfristig kaum verlagern.

Von Jan Mueller

Ob für Kameralinsen, in Magneten für Windkraftgeneratoren oder für Elektroautos: Seltene Erden spielen bei der Produktion zahlreicher Hightech-Produkte eine entscheidende Rolle. Der mit Abstand größte Teil der weltweiten Produktionsmenge stammt dabei aus China – und könnte von der Volksrepublik nun als Druckmittel im Handelsstreit mit den USA eingesetzt werden.

WAS SIND SELTENE ERDEN?

Insgesamt 17 Elemente zählen zu den Metallen der Seltenen Erden – darunter etwa Lanthan und Europium. Sie besitzen Eigenschaften beispielsweise als Supraleiter oder eine besondere Hitzebeständigkeit, die sie für die Industrie wertvoll machen. Zum Einsatz kommen sie unter anderem auch in Computerkomponenten, Raketen oder Radaranlagen.

SIND SELTENE ERDEN SELTEN?

Jein. Grundsätzlich kommen die meisten der Elemente in der Erdkruste vergleichsweise häufig vor, auch in Deutschland gibt es im Norden Sachsens ein großes Vorkommen. Die entscheidende Frage ist aber, ob sich der Abbau wirtschaftlich lohnt – denn der Aufwand und die Folgekosten für die Umwelt sind hoch.

WAS MACHT DIE PRODUKTION SO SCHWIERIG?

Der Abbau der Erze, die die Seltenen Erden in Verbindungen enthalten, ist nicht das Problem. Schwierig ist es, die Elemente daraus in möglichst reiner Form zu gewinnen. Diese Aufbereitung in Fabrikanlagen ist komplex und hat zahlreiche Nebeneffekte: Es entstehen radioaktive Isotope und giftige Abwässer; die Gegenden um die Produktionsgebiete gleichen häufig Mondlandschaften.

Rohstoffexperte Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hält eine Produktion in Deutschland deshalb aus Umweltgründen für nicht vorstellbar. Deutschland sei bei Seltenen Erden auch zukünftig “zu hundert Prozent abhängig”.

WOHER BEKOMMT DEUTSCHLAND SEINE SELTENEN ERDEN?

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der BGR 9399 Tonnen seltene Erdverbindungen und 325 Tonnen seltene Erdmetalle nach Deutschland importiert. Der überwiegende Teil davon stammt direkt oder indirekt aus China (81 Prozent). Dahinter folgen Malaysia mit zehn Prozent und Russland mit acht Prozent.

Wegen der aktuellen Debatte um mögliche Exportbeschränkungen Chinas sind die Preise für Seltene Erden in der vergangenen Woche bereits um zehn bis zwanzig Prozent angestiegen. Auswirkungen auf deutsche Unternehmen hat das nach Einschätzung Elsners aber erst einmal nicht, denn diese hätten zumeist “langfristige” Lieferverträge abgeschlossen.

WIE SIEHT ES IN DEN USA AUS?

Für die US-Regierung von Donald Trump sind die Seltenen Erden ein wunder Punkt. Über Jahrzehnte dominierten die USA hier selbst den Weltmarkt. Aktuell gibt es noch eine Förderstätte im kalifornischen Mountain Pass. Dort wird aber, mit Beteiligung chinesischer Firmen, lediglich eine Art “Vorkonzentrat” produziert, das wiederum nach China verschifft und dort weiterverarbeitet wird.

Die Produktion der Seltenen Erden selbst in den USA wieder anzufahren, würde nach Angaben Elsners mehrere Jahre brauchen, auch weil dort Knowhow fehle. Der einzige Staat, der die Produktion außerhalb Chinas derzeit groß hochfahren könne, sei Malaysia.

Dieser Situation ist sich auch die Regierung in Washington bewusst. Am Dienstag kündigte das Handelsministerium “nie da gewesene Maßnahmen” zur Versorgung des Landes mit strategisch bedeutsamen Rohstoffen an, unter anderem durch mehr Handel mit “Amerikas Alliierten” und einer stärkeren Ausbeutung einheimischer Vorkommen. Letzterer sind allerdings starke Grenzen gesetzt – von 35 “kritischen” Rohstoffen seien die USA bei 14 komplett auf Importe angewiesen, erklärte das Handelsministerium.

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