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Forum Fairer Handel kritisiert Lebensmittel-Einzelhandel

Kaffeebohnen in Kenia (Achim Halfmann/CSR NEWS)

Enormer Preisdruck schadet Herstellern und Umwelt – Fairer Handel wächst

Berlin (afp/csr-news) – Das Forum Fairer Handel hat Schwierigkeiten für Fairtrade-Produkte in Deutschland beklagt. Im konventionellen Lebensmittel-Einzelhandel herrsche “ein enormer Preisdruck, der viel zu oft auf Kosten der Hersteller und deren Umwelt geht”, sagte Geschäftsführer Manuel Blendin der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (Montagsausgabe). Das hänge unter anderem mit der enormen Marktmacht der vier großen Einzelhandelskonzerne – Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland – zusammen.

“Deswegen werden Lebensmittel in Deutschland häufig viel zu billig angeboten”, sagte Blendin. “Da kann der höhere Preis von Produkten aus fairem Handel zum Kaufhindernis werden.”

Gleichwohl betonte Blendin, Produkte aus fairem Handel würden sich in Deutschland wachsender Beliebtheit erfreuen. “Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt.” Das gehe unter anderem auf die wachsende Bedeutung nachhaltigen Konsums zurück. Parallel dazu seien auch das Sortiment im Fairen Handel und die Zahl der Verkaufsorte erheblich gewachsen.

Der Zuwachs dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass geschätzte 99 Prozent des Handels nicht fair seien, sagte Blendin.

In der vergangenen Woche hatte das Forum Fairer Handel seine Statistik für das Geschäftsjahr 2018 vorgestellt. Danach gaben die Verbraucher in Deutschland 1,7 Milliarden Euro für faire Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus – pro Kopf durchschnittlich 20,50 Euro und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 1,36 Milliarden Euro wurden 2018 Produkte mit dem Fairtrade-Produktsiegel gehandelt. Anerkannte Fair-Handels-Unternehmen vertrieben Waren im Wert von 209 Millionen Euro und in den Weltläden wurden Waren im Wert von 78 Millionen Euro verkauft.

Umsatzstärkstes Produkt im Fairen Handel ist der Kaffee mit einem Anteil von 32 Prozent. Mit einem Marktanteil von rund 14 Prozent in Deutschland belegen Bananen in punkto Absatz den ersten Platz.

Das Forum Fairer Handel verweist darauf, dass der Discounter Lidl seine Ankündigung, das Bananenangebot auf 100 Prozent Fairtrade umzustellen, zurückgezogen habe. „Freiwillige Initiativen von Unternehmen reichen alleine nicht aus, um faire Handelsbedingungen herzustellen“, heißt es in der Vorstellung der Handelsstudie.

Im Fairen Handel (Fair Trade) wird den Erzeugern ein Mindestpreis für ihre Produkte garantiert. Ziel der Fair Trade-Organisationen sind bessere Handelsbedingungen und die Sicherung der sozialen Rechte von Produzenten und Arbeitnehmern.

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