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Inseln der Hitze

Александр Прокофьев auf pexels .com

Städte suchen Abhilfe gegen Backofen-Temperaturen

Von Amélie Bottollier-Depois

Paris (afp) – Viel Asphalt und Verkehr, zu wenig Bäume: Bei Rekordhitze werden Städte zum Backofen. Experten suchen bereits seit Jahren nach Wegen, um der Entwicklung entgegenzuwirken.

INSELN DER HITZE

Städte können bei hohen Temperaturen bis zu zehn Grad wärmer werden als das Umland. Die Ursachen sind bekannt: Zubetonierte Flächen speichern die Hitze tagsüber, nachts strahlen Straßen und Gebäude sie ab. Auf dem Land sorgt dagegen die Vegetation für angenehme Kühle. Der Verkehr in der Stadt trägt zusätzlich zu Erwärmung und Luftverschmutzung bei.

KLIMAANLAGEN ALS TEUFELSKREIS

Künstlich gekühlte Räume sind keine Lösung, denn Klimaanlagen erzeugen einen Teufelskreis. “Je mehr man die Gebäude klimatisiert, desto mehr heiße Luft wird in die Umgebung abgegeben”, sagt Aude Lemonsu vom französischen Wetterdienst Météo France.

Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor einer “Kühlkrise”: Sie schätzt, dass sich der Energieverbrauch durch Klimaanlagen bis 2050 verdreifachen wird – das Wachstum entspricht dem derzeitigen Verbrauch Deutschlands und der USA zusammen.

PFLANZEN ALS ABHILFE

Viele Städte setzen auf eine Begrünung. Sie wollen nicht nur Schattenplätze schaffen, sondern auch die sogenannte Evapotranspiration fördern – die Verdunstung von Wasser durch Pflanzen, die die Atmosphäre kühlt.

Singapur ist international eine der Vorreiterstädte: Sie hat seit den 60er Jahren nicht nur Bäume gepflanzt und Parks angelegt, sondern begrünt auch die Fassaden und Dächer vieler Hochhäuser.

WEISSER ASPHALT UND BETON

Auch Straßen und Dächer können zur Kühlung beitragen, wie Versuche in den USA gezeigt haben. Die Stadt New York etwa hat in einer “Cool Roofs”-Initiative mehr als 500.000 Quadratmeter Dachflächen weiß streichen lassen, damit sie das Sonnenlicht reflektieren. In Los Angeles wurden ganze Straßen weiß gestrichen.

Bei einer Temperatur von rund 26 Grad Celsius kann “ein dunkles Dach bis zu 80 Grad Celsius heiß werden”, sagt Städtebau-Ingenieurin Amandine Crambes von der französischen Umwelt- und Energiebehörde Ademe. “Das gleiche Dach in heller Farbe kommt auf 45 Grad, ein begrüntes Dach sogar nur auf 29 Grad.”

WASSER ALS FRISCHESPENDER

Experten raten Städten auch, offene Wasserflächen anzulegen. Denn Wasser erhitzt sich langsamer als Luft. Auch aus Kostengründen abgestellte Springbrunnen könnten wieder in Gebrauch genommen werden.

GEOTHERMIE-ANLAGEN

Sie gelten als teuer und benötigen große Flächen – doch einige Städte setzen auf Geothermie-Anlagen: Sie erzeugen Kühlung durch Erdwärme. Dazu sind spezielle Pumpen nötig, welche die in der Erdkruste gespeicherte Energie umwandeln.

Eine solche Anlage, die teils auf Geothermie setzt, gibt es etwa im Westen von Paris. Auf dem Gelände des früheren Renault-Werks werden damit mehr als 350.000 Quadratmeter Bürofläche gekühlt. Der deutsche Bundesverband Geothermie drängt die Politik zu einem Ausbau der erneuerbaren Energieform.

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