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Die Müllmänner der Meere

awsloley auf pixabay.com

Projekt erlaubt italienischen Fischern, gefangenen Müll an Land zu bringen

Von Charles Onians

San Benedetto del Tronto (afp) – Vor der Küste von San Benedetto del Tronto holen italienische Fischer ihre Netze ein: Tintenfische, Rotbarben – und Plastikmüll. Dieses Mal werden sie den unliebsamen Beifang aber nicht zurück in die Adria werfen.

Die Fischer nehmen an einem Projekt teil, das ihnen die Möglichkeit gibt, den gefischten Müll zum Hafen zu bringen. Normalerweise ist das nicht erlaubt. “Viele Fischer hatten die Angewohnheit, Abfälle wieder zurück ins Meer zu werfen, weil das Gesetz ihnen verbietet, Müll an Land zu bringen”, erklärt die Koordinatorin des Projekts, Eleonora de Sabata. Sabata arbeitet für die Umweltorganisation Clean Sea Life, die die Initiative ins Leben gerufen hat.

Im Hafen von San Benedetto del Tronto werden die Abfälle gesammelt, untersucht und – wenn möglich – recycelt. Die Organisatoren des Projekts wollen herauszufinden, um welche Arten von Müll es sich handelt. In den Sammelbehältern landen Plastikflaschen, Teller und Plastikbesteck, aber auch Teile von Fischernetzen oder Netze aus der Muschelzucht. Schätzungsweise 80 Prozent der Abfälle stammen von der Küste, 20 Prozent von Schiffen oder der Fischindustrie.

Claudio Uriani ist gerade dabei, seinen Fang in mehrere Eimer zu sortieren. Das meiste landet im Behälter für Plastikmüll. “Auch wir haben den Müll nicht immer gesammelt”, gibt der 62-jährige Fischer zu. “Normalerweise war da keiner, der uns das Plastik an Land abgenommen hat”. Die Abfälle im Meer bereiten Uriani große Sorgen: “Wenn die Fische Plastik fressen, werden sie krank. Auch wir werden dadurch krank”, sagt er.

Einer Studie der Public Library of Sciences (PLOS) aus dem Jahr 2015 zufolge schwimmen im Adriatischen Meer zwischen 1000 bis 3000 Tonnen Plastik. Wie viel Müll zusätzlich am Meeresgrund liegt, ist nicht bekannt. Das Mittelmeer insgesamt ist laut dem französischen Meeresforschungsinstitut Ifremer das vermüllteste Meer in Europa.

An dem Projekt in San Benedetto del Tronto sind rund 40 Fischerboote beteiligt. Seit dem Startschuss Anfang Mai haben die Fischer jede Woche rund eine Tonne Müll an Land gebracht. Ursprünglich sollte die Initiative am 7. Juni, also einen Tag vor dem weltweiten Tag des Meeres, auslaufen. Mittlerweile wurde sie bis zum Herbst verlängert. Die Organisatoren hoffen, Lösungen für das Müllproblem zu entwickeln, die für ganz Italien gelten könnten.

Auch von Seiten der italienischen Regierung gibt es Bestrebungen, etwas gegen das Plastik im Meer zu tun. Ein Gesetzesentwurf des Umweltministeriums will den Fischern künftig erlauben, die gefischten Abfälle an Land zu bringen, ohne sich des illegalen Mülltransports strafbar zu machen. Und im März billigte die Europäische Union ein Gesetz zum Verbot von Einweg-Kunststoffartikeln ab 2021.

“Das Problem liegt im Meer, doch die Lösung dafür sollte an Land getroffen werden”, sagt Umweltaktivistin De Sabata und fordert die Politiker auf, schnell zu handeln. Stefano Voltattorni ist derweil mit seinem Beitrag zum Kampf gegen den Plastikmüll zufrieden. “Wenn wir das ein ganzes Jahr lang machten, wäre das Meer hier sauber”, sagt der Kapitän eines Fischerboots, während er noch eine Müllbox ablädt.

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