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Staatliches Textilsiegel „Grüner Knopf“ kommt im September

Bundesminister Gerd Müller in einer Textilfabrik in Ghana im Sommer 2019 (Ute Grabowsky / Photothek.net)

NGO: Werden hohe Kriterien eingehalten?

Berlin (csr-news) – Das staatliche Textilsiegel „Grüner Knopf“ startet im September. Wie das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) auf CSR NEWS-Anfrage weiter mitteilte, soll das Siegel direkt am Produkt angebracht werden und nachhaltige Mode für den Verbraucher sichtbar machen. Die staatliche Festlegung der Kriterien für das Siegel schaffe Klarheit und Vertrauen.

„Um das Zertifikat zu erhalten, müssen 26 soziale und ökologische Kriterien für das Produkt erfüllt werden. Außerdem muss das Unternehmen als Ganzes seine Sorgfaltspflichten anhand von 20 Kriterien nachweisen“, so Entwicklungsminister Gerd Müller. Zu den Produktkriterien zählen Recht und Entlohnung von Arbeitnehmerinnen, Kinder- und Zwangsarbeit, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Emissionen und Rückstände, Chemikalieneinsatz sowie Umweltauswirkungen.  Grundlage für die Unternehmenskriterien sind laut BMZ die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen sowie sektorspezifische Ergänzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Unabhängige Prüfer wie der TÜV sollen die Einhaltung der Kriterien überprüfen und die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) glaubwürdige Prüfungen sicherstellen.

Der „Grüne Knopf“ soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. In der Einführungsphase deckt das Siegel die Konfektionierung und die Nassprozesse ab. In den Folgejahren soll es mit Hilfe eines unabhängigen Beirats auf weitere Produktionsstufen ausgeweitet werden, so das BMZ.

Minister Müller: „Mehrere Dutzend Firmen haben Interesse, beim Start des Grünen Knopfes dabei zu sein und haben eine Prüfung beantragt.“ In der Textilwirtschaft war das Siegel bislang auf Skepsis gestoßen. Unternehmen befürchten, der „Grüne Knopf“ gefährde die Wettbewerbsfähigkeit. Sie kritisierten zudem, dass die Umstellung mit enormen Kosten verbunden sei und der Aufbau eines Überwachungssystems Jahre dauere.

NGO: Keine Kompromisse

Aus Sicht der Kampagne für Saubere Kleidung lassen sich mit einer freiwilligen Produktzertifizierung keine nachhaltigen ökologischen und sozialen Verbesserungen in der globalen Lieferkette erreichen. In einer Stellungnahme der Kampagne heißt es, Bürger und fortschrittliche Unternehmen erwarteten „kein Siegel, das mit vielen Kompromissen schnell auf den Markt gebracht wird, sondern unumstößliche, aussagekräftige und an Menschenrechten ausgerichtete Kriterien, höchste Transparenz, effektive und aktive staatliche Kontrolle und Rechenschaftspflicht.“

Für CSR NEWS haben Hochschullehrer Rudolf Voller und Rechtsanwalt Holger Hembach den „Grünen Knopf“ kommentiert:

 

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