Klimaschutz Nachrichten

Schon in den 80er Jahren ging die Angst vor einem Waldsterben um

Detmold auf pixabay.com

Luftverschmutzung damals im Mittelpunkt – Viele Bäume seit langem geschädigt

Von Sebastian Bronst

Hamburg (afp) – Dem deutschen Wald geht es schlecht. Mehr als 100.000 Hektar wurden laut Bundesregierung und Fachverbänden seit dem vergangenen Jahr durch Trockenstress, Schädlingsbefall, Stürme und Waldbrände zerstört.

Hilfspakete, Aufforstungsprogramme und Krisengipfel sollen gegensteuern.

Erinnerungen an das große Waldsterben aus den 80er Jahren werden ebenfalls beschworen. Worum es damals und heute geht:

WAS PASSIERTE DAMALS?

In den 80er Jahren lösten Bilder von dramatischen Baumschäden und Warnungen von Wissenschaftlern in Westdeutschland hochemotionale Debatten aus. Es wurde befürchtet, dass durch Luftverschmutzung verursachter sogenannter saurer Regen das Land entwalden könnte.

Schwefel- und Stickoxid aus Industrie- und Autoabgasen schädigten die Pflanzen und führten zur Übersäuerung des Waldbodens, was diese zusätzlich angriff. Die Medien zeigten Bilder völlig abgestorbener Wälder, die im Windschatten enorm schmutziger Kohlekraftwerks- und Industriereviere der damaligen DDR und der Tschechoslowakei lagen.

Andernorts gab es nach differenzierteren späteren Untersuchungen insgesamt weniger drastische Probleme. Diese zeigten auch, dass die Schäden wohl nicht nur durch Luftverschmutzung entstanden. Mehrere trockene Sommer und ein sehr strenger Winter trugen wohl dazu bei.

In Westdeutschland wurden in der Folge die Abgasvorschriften für Industrieanlagen weiter verschärft, auch Braunkohlekraftwerke und ältere Fabriken mussten nun mit Rauchgasentschwefelung nachgerüstet werden. Ab 1989 galt außerdem eine Katalysatorpflicht für Neuwagen.

WIE GING ES WEITER?

Ein Waldsterben in der befürchteten Form blieb aus. Dabei ist nach Ansicht von Experten aber rückblickend schwer zu sagen, inwieweit dies auch den damals eingeleiteten Gegenmaßnahmen zuzuschreiben ist. Der Zusammenbruch der veralteten Industrien in der DDR und anderen Ostblockländern Anfang der 90er Jahre half den Wäldern ebenfalls massiv. Laut der Umweltschutzorganisation Nabu sank der deutsche Schwefelgasausstoß seitdem drastisch um rund 90 Prozent.

Gut erging es dem Wald angesichts anhaltender Luftverschmutzung und anderer Umweltschäden aber trotzdem nicht – im Gegenteil. Die seit 1984 vorgelegten jährlichen Waldzustandsberichte wiesen sogar auf eine insgesamt zunehmende Schädigung in der breiteren Fläche hin.

Bei Laubbäumen nahm der Anteil mit deutlichen Kronenschäden seit Beginn der Erfassung dem Bundesumweltministerium zufolge deutlich zu. Bei Eichen waren es

2018 42 Prozent, bei Buchen 39 Prozent. Im Schnitt aller Arten waren es 29 Prozent, also jeder dritte Baum. Der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zufolge leiden Bäume massiv unter Stickoxiden des Autoverkehrs, der über die Jahrzehnte stark zunahm.

WAS PASSIERT HEUTE?

Zusätzlich zu den bereits bekannten Schäden in der Fläche kommt es seit vorigem Jahr vielerorts zum großflächigen Absterben ganzer Waldbestände, die teils regelrecht zusammenbrechen. Umweltschützer, Politiker, Waldbesitzer und Forstexperten sprechen einhellig von Schäden in einem bislang nicht gekannten Ausmaß – auch an bislang noch als relativ resistent gegen Umweltstress geltenden Baumarten.

Bundesregierung und Fachverbände wie der Bund Deutscher Forstleute (BDF) beziffern die bislang zerstörte Waldfläche auf rund 110.000 bis 120.000 Hektar. Laut BDF ist zu befürchten, dass sich diese im Laufe dieses Jahres auf

250.000 Hektar verdoppelt. Das entspricht ziemlich genau der Größe des Saarlands. Der BDF forderte bereits, eine Milliarde neuer Bäume auf den Kahlflächen zu pflanzen.

WAS SIND DIE URSACHEN?

Eine Schlüsselursache ist laut Fachleuten in den klimabedingten Entwicklungen zu sehen. In Deutschland herrscht seit vergangenem Jahr ein anhaltendes dramatisches Regendefizit, also Dürre. Dazu kommt, dass der fortschreitende Klimawandel Niederschlagsmuster auch regional verschieben kann. Das sorgt demnach zum Teil mit Verzögerungen dafür, dass Bäume geschwächt und geschädigt werden.

Diese verdorren entweder direkt oder werden dadurch anfälliger für Pilz- und Insektenbefall. Auch Waldbrände und heftige Stürme, die in Folge der Klimaentwicklungen ebenfalls häufiger werden, fordern ihren Tribut. Nach Angaben der Umweltorganisation BUND ist es die Summe aus Luftverschmutzung und Klimastress, welche die heimischen Wälder an die Grenze bringt. Monokulturen mit Nadelholz verschärfen demnach das Problem, weil sie weniger “stabil” sind als Mischwälder.

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