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Der gläserne Verbraucher

Joshua Rawson-Harris auf Unsplash

Digitalisierung stellt neue Fragen für den Verbraucherschutz von Unternehmen

Gesichtserkennung, digitale Patientenakte, Apps für Smartphones, Streaming-Dienste – digitale Anwendungen erheben und analysieren eine Menge von Daten. Doch viele Anwender sind sich darüber nicht bewusst. Welche Anforderungen stellt die Digitalisierung an den Verbraucherschutz? Wie muss Unternehmensverantwortung neu definiert werden?

Von Charlotte Schmitz

Sind in meinem Duschgel hormonell wirksame Parabene enthalten? Finden sich im Schulranzen der Tochter Weichmacher, die im Ruf stehen, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen? Eine App fürs Smartphone hilft, Inhaltsstoffe von Kosmetika und Kinderspielzeug zu erkennen und zu analysieren. Es genügt, den Strichcode des Produktes zu scannen, um Auskunft zu erhalten. Der Umweltschutzbund BUND hat die App programmieren lassen, die für den Anwender kostenlos ist. Sie verspricht Auskunft über mehr als 80.000 Körperpflegeprodukte. Werden Schadstoffe nachgewiesen, kann der Verbraucher direkt aus der App heraus eine Protestmail an den Hersteller verschicken. Dies ist ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung den Verbraucherschutz unterstützen kann. Doch in vielen Fällen erzeugt die Digitalisierung neue Herausforderungen.

Datensammelwut

Kritische Herausforderungen hat Prof. Christian Thorun, Geschäftsführer des Instituts für Verbraucherpolitik ConPolicy GmbH in Berlin, identifiziert. Dazu gehört zum einen das Sammeln personenbezogener Daten durch Online-Angebote, Apps oder Endgeräte. „Untersuchungen zeigen wiederholt, dass viele Apps mehr Daten als nötig erheben. Das führt zum gläsernen Verbraucher“, kritisiert Thorun.

An die Öffentlichkeit geraten Fälle von Datensammelwut nur in seltenen Fällen. 2016 sprachen Gerichte in den USA und Kanada Nutzern eines Vibrators, der mit einer App verbunden werden konnte, Schadensersatz zu. Das Gerät konnte anfangs nur in vollem Umfang genutzt werden, wenn Nutzer es per Bluetooth mit einem Handy verbunden hatten und die Hersteller-App nutzten. Das Gerät sandte vertrauliche Daten wie Funktionseinstellung und Dauer der Nutzung an den Hersteller, ohne die Kunden darüber zu informieren.

Datenklau

Doch nicht nur Erwachsenen-, auch Kinderspielzeug ist häufig schlecht gegen Datenklau gesichert. Die Puppe „Cayla“ des Herstellers „Genesis Toys“ hat eine Sprachfunktion, zeichnet aber auch Unterhaltungen in der Umgebung auf. Die Puppe wird als interaktives Spielzeug vermarktet, verfügt über Mikrofon, Spracherkennung, Netzwerkzugang und lässt sich über eine dazugehörige App steuern. Die norwegische Verbraucherorganisation Forbrukerradet entdeckte Sicherheitslücken: Per Bluetooth kann jeder per Handy mit der Puppe sprechen und die Unterhaltung in ihrer Umgebung mithören. Die Bluetooth-Verbindung zur Puppe war komplett ungesichert. Ferner stand im Kleingedruckten der AGBs, dass alle Gespräche der Kinder mit ihrer Puppe an ein Unternehmen in den USA übertragen werden, welches diese Daten für zielgerichtete Werbung nutzen darf. In Deutschland verbot die Bundesnetzagentur 2017 den Verkauf der Puppe.
Christian Thorun von ConPolicy moniert: „Online-Anwendungen oder auch Smart Devices wie Kinderspielzeuge sind häufig zu schlecht gegen IT-Sicherheitsrisiken abgesichert.“ Passwort-Abfragen seien unzureichend, unklare Haftungsregeln machten Verbraucher zum Opfer von IT-Sicherheitslücken.


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