Nachrichten

Suizid: Experten dringen auf mehr Prävention und Information

Dan Meyers auf Unsplash

Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände an Präventionsprogramm Naspro beteiligt

Berlin (AFP) – Trotz langfristig rückläufiger Suizidzahlen dringen Fachleute auf mehr Präventionsarbeit und den Abbau von Vorurteilen zur Verhinderung von Selbsttötungen in Deutschland. Noch immer sei die Zahl der Suizide höher als die der Todesfälle durch Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen und den Missbrauch illegaler Drogen zusammen, teilten mehrere in der Suizidverhinderung engagierte Verbände am Mittwoch in Berlin anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. Septembers mit.

Sie verwiesen unter anderem auf aktuelle Empfehlungen für Medien zur Berichterstattung über Selbsttötungen und das Internet. Die Medien hätten eine “bedeutende Rolle in der individuellen Wahrnehmung von Suiziden”. Sie verwiesen zudem auf Aufklärungsbedarf, etwa mit Blick auf in der Bevölkerung kursierende “Mythen”. So sei es etwa falsch, Menschen in schweren Krisen nicht auf Suizidgefährdung anzusprechen.

“Wir möchten das vorurteilsfreie und vertrauensvolle Gespräch über den Suizid fördern. Es ist der erste Schritt zur Hilfe”, erklärte die Psychiaterin Barbara Schneider, Chefärztin an der Kölner LVR-Klinik und Leiterin des nationalen Suizidpräventionsprogramms (Naspro). In der Initiative sind mehr als 90 Organisationen zusammengeschlossen. Dazu gehören Mediziner und Betroffenenverbände ebenso wie Wissenschaftler Behördenvertreter, Medien sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände.

Das Naspro und weitere beteiligte Organisationen wie die Deutsche Akademie zur Suizidprävention und die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention riefen dazu auf, möglichst viele Aufklärungs- und Informationskampagnen zu starten.

Dies gelte für Schulen, Betriebe, Kliniken, Beratungsstellen, Universitäten und Medien, erklärten sie.

Nach den neuesten verfügbaren amtlichen Zahlen nahmen sich 2017 in Deutschland 9241 Menschen das Leben, knapp 7000 Männer und rund 2250 Frauen.

Das war der niedrigste Stand seit dem Beginn der detaillierten offiziellen Erfassung im Jahr 1981. Damals hatte es 18.825 Suizide gegeben, also etwa doppelt so viele. Seitdem sinkt die Zahl der Selbsttötungen in Wellen.

Einfache Erklärungsmuster dafür gibt es den Fachverbänden zufolge aber nicht. Unter anderem haben demografische Faktoren, die Situation am Arbeitsmarkt sowie Entwicklungen im Bereich des Gesundheitswesens und der Prävention einen Einfluss. Auch die Berichterstattung der Medien spiele in dem Gesamtkomplex eine Rolle, erklärten die Verbände am Mittwoch.

Hinterlassen Sie einen Kommentar