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„Unternehmensverantwortung neu denken“

The Climate Reality Project auf Unsplash

Jahrestagung des DNWE in Eschborn am 27. September

Eschborn (UVG) – Dr. Christoph Golbeck, Vorstand im Verein Unternehmen Verantwortung Gesellschaft e.V. (UVG), hat die Veranstaltung besucht. Sein Kommentar:

Die Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik fand in diesem Jahr in der GIZ-Zentrale in Eschborn statt. Im Mittelpunkt der eintägigen Konferenz stand die Frage, „worauf es bei Compliance und Nachhaltigkeit wirklich ankommt“.

Thematisiert wurden in unterschiedlichen Panels und Vorträgen sowie in einer einzelnen Workshop-Runde viele Problembereiche angefangen bei der ökologischen Nachhaltigkeit von Lieferketten (Workshop 4), über die EU-Ethics AI-Guidlines (WS 5) bis hin zur generellen Verantwortung von Unternehmen in der Wertschöpfungskette (Eingangsstatement). Dabei ging es zusammen mit rund 150 Teilnehmern in durchaus breiter inhaltlicher Tiefe um die Verantwortung von Unternehmen in globalisierten Wirtschaftsprozessen.

Hinzuweisen ist auf einen der Schlüsselmomente des Vormittags-Panels. In seiner Zusammenfassung der Podiumsdiskussion, die den Titel „Unternehmensverantwortung in der globalen Wirtschaft“ trug, prognostizierte Dr. Stefan Otremba, Head of Corporate Risk Management, KPMG AG WPG, dass Unternehmen in Zukunft immer mehr zum „gesellschaftlichen Nexus” werden könnten. Das wäre in einer ökonomisierten Marktgesellschaft gut und richtig. Dafür bräuchten Unternehmen aber Ressourcen, die oft nicht vorauszusetzen sind. Genauer würde es dabei um Kompetenzen und Instrumente wie Mediation, Streitschlichtung oder Stakeholder-Dialoge gehen, die im Management- Alltag bisher eher nicht vermittelt werden, die aber notwendig sind, um neuen Multiplikatoren-Aufgaben der Globalisierung gerecht werden zu können.

Der Jahrestagung vorausgegangen war ein Nachmittagsworkshop zur Bestimmung inhaltlicher und struktureller Leitplanken für die Arbeit des DNWE in den nächsten Jahren. Im Mittelpunkt dieser geschlossenen Veranstaltung stand die Frage, wie der inzwischen abgeschlossene Prozess des wirtschaftsethischen Agenda-Setting in die Zukunft überführt werden könnte. Zu guter Letzt bleibt auf einen merkwürdigen Kontrast zwischen dem Design der eigentlichen Jahrestagung und ihrem titelgebendem Anspruch hinzuweisen, der sich auch in der inhaltlichen Gewichtung wiedergefunden hat:

„Unternehmensverantwortung neu denken“ ist im Angesicht der Dieselkrise genauso wie aufgrund der zunehmenden globalen Verflechtung der Wirtschaft schwierig genug. Die sich daraus ergebenden multipolaren Herausforderungen vom Klimawandel bis zu neuen Handelskriegen wollten aber gerade deswegen nicht so recht zu den Panels und Vorträgen in Eschborn passen. Diese ließen größtenteils leider gar keinen oder äußerst wenig Raum für die Interaktion des Publikums offen, obwohl darin zahlreiche Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft vertreten waren.

Wie spannend wäre es beispielsweise gewesen, die mehr als halbstündige Key Note des Chief Compliance Officers der Daimler AG, Olaf Schick, mit einigen kritischen Nachfragen zum branchenweiten Betrug mit Abschaltvorrichtungen („Diesel-Affäre“) zu kontrastieren?

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