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Politik und Industrie betonen Potenzial von Wasserstoff

Wasserstoff-betriebener PKW von Toyota (Darren Halstead auf Unsplash)

Energiewende: Nationale Wasserstoffstrategie der Regierung soll bis zum Jahresende stehen

Berlin (AFP) – Wasserstoff als entscheidender Beitrag zur Energiewende: Bei einer Konferenz in Berlin haben mehrere Bundesminister das Potenzial der Technologie für Klimaschutz und Industrie betont. Bis Ende dieses Jahres soll eine Wasserstoff-Strategie der Regierung stehen. Deutschland müsse “bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt” werden, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Industrie forderte ein “kraftvolles Signal für erste Anwendungen im industriellen Maßstab”.

Wasserstoff sei die “zentrale Klimatechnologie der Zukunft”, sagte auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Damit könne aus Sonne und Wind gewonnene Energie “effektiv” gespeichert werden. Zudem lasse sich auch Treibhausgas, das in der Industrie anfalle, unschädlich machen oder gar vermeiden. Deutschland müsse hier Vorreiterrolle einnehmen – das sei auch im Sinne der deutschen Wirtschaft.

Auf Einladung von Karliczek und Altmaier sowie von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kamen in Berlin rund 700 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um über die Potenziale von Wasserstoff zu diskutieren.

Gasförmige Energieträger wie Wasserstoff, der selbst keinen Kohlenstoff enthält und ohne CO2-Emissionen hergestellt werden kann, “werden ein Schlüsselrohstoff einer langfristig erfolgreichen Energiewende sein”, sagte Altmaier.

Scheuer nahm die Automobilindustrie in die Pflicht und forderte, diese müsse nun “bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt bringen” und zeigen, dass die Antriebstechnologie zuverlässig sei. Müller erklärte, nötig für die globale Energiewende sei ein “Quantensprung hin zu CO2-neutralen, synthetischen Kraftstoffen”. Die großen Mengen an dafür nötigen erneuerbaren Energien könnten aus der “Kraft der Sonne” geschöpft werden.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie erklärte, ein ehrgeiziger Klimaschutz sei “nur mit Wasserstoff möglich”. Der aktuelle regulatorische Rahmen sei aber eine “große Hürde für die Wirtschaftlichkeit von Wasserstofftechnologien”. Außerdem müsse der Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes vorangetrieben werden, forderte der BDI.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft forderte, die Steuer- und Abgabenlast auf Strom deutlich zu senken. Die von der Bundesregierung geplante “homöopathische Senkung der EEG-Umlage” reiche dafür nicht aus. Außerdem müsse die Regierung mehr Geld für Forschung und Entwicklung im Bereich Wasserstoff bereitstellen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mahnte unter anderem eine Strategie zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit zukünftigen Wasserstoff-Exportländern an.

 

Wie Power-to-X-Technologie im Kampf gegen den Klimawandel helfen soll

Von Jan Mueller

Für die Bundesregierung ist Wasserstoff eine “zentrale Klimatechnologie der Zukunft”, die deutsche Industrie hält die effiziente Nutzung des allgegenwärtigen Elements gar für unverzichtbar, wenn ehrgeiziger Klimaschutz hierzulande gelingen soll. Von besonderer Bedeutung sind dabei die sogenannten Power-to-X-Technologien.

WAS IST POWER TO X?

Der englische Begriff Power To X oder kurz PtX (auf deutsch etwa: Strom zu X) steht übergreifend für eine ganze Reihe verschiedener Umwandlungsprozesse, die sich vereinfacht gesagt auf die Speicherung und spätere Nutzung von Energie beziehen, zugleich aber auch auf die Herstellung von Stoffen, die in Produktionsprozesses benötigt werden.

Dabei gibt es sowohl die Möglichkeit einer Umwandlung von beispielsweise Stromüberschüssen von Windparks in Gase wie Wasserstoff oder Methan (Power To Gas), als auch der Transformation des Stroms in flüssige Kraftstoffe (Power To Fuel), in Wärme (Power To Heat) oder in chemische Grundstoffe für die Industrie (Power To Chemicals), die etwa bei der Herstellung von Kunststoff benötigt werden.

WAS IST DAS BESONDERE AN WASSERSTOFF?

Eine entscheidende Rolle bei den Nutzungsmöglichkeiten spielt Wasserstoff (chemisches Symbol: H). Dieser kommt in der Natur zwar wie etwa in Wasser (H2O) mannigfach vor, praktisch gibt es ihn aber fast nur in gebundener Form.

Für die Nutzung als Energieträger bedeutet dies zweierlei: Wasserstoff muss erst unter Einsatz von anderen Energiequellen in reiner Form gewonnen werden. Zugleich muss dieser Energieeinsatz für einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz aber auch emissionsfrei sein, also letztlich aus Erneuerbaren stammen. Die Branche spricht hierbei auch von “Grünem Wasserstoff”.

WO LÄSST SICH DIE TECHNIK EINSETZEN?

Potenziale gibt es nach Angaben der Bundesregierung vor allem in den Bereichen, in denen in absehbarer Zukunft nur mit großem Aufwand eine Versorgung direkt mit Strom möglich wäre – etwa beim Schiffsverkehr oder in der Luftfahrt. Explizit genannt wird aber auch der “Pkw-Bereich beim Einsatz auf langen Strecken”.

Laut Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind batteriebetriebene Fahrzeuge zwar im innerstädtischen Verkehr und auf kürzeren Pendlerstrecken sinnvoll. Für Langstrecken und den Dauerbetrieb, für Busse und Lkw eigneten sich dagegen Brennstoffzellen-Fahrzeuge “viel besser”. Bei Brennstoffzellen wird meist mit Wasserstoff quasi an Bord des Fahrzeugs der für die Fahrt nötige Strom erzeugt.

Bedeutung hat Wasserstoff auch bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe, die in den Klimaschutzplänen der Bundesregierung ebenfalls eine Rolle spielen.

Einen Schub hin zur CO2-Neutralität verleihen soll Wasserstoff auch der Industrie. Nach Angaben der Power-To-X-Allianz, der sich eine Reihe von Unternehmen vor allem aus der Energiewirtschaft angeschlossen haben, haben vor allem die Chemieindustrie, Stahlwerke und Raffinerien einen hohen Verbrauch an Wasserstoff, den sie bislang vor allem aus fossilen Rohstoffen gewinnen.

WELCHE BEDENKEN UND WELCHE KRITIK GIBT ES?

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) betont zwar die große Bedeutung von Wasserstoff, sieht aktuell aber im regulatorischen Rahmen eine “große Hürde für die Wirtschaftlichkeit von Wasserstofftechnologien”. Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert, die Steuer- und Abgabenlast auf Strom deutlich zu senken. Noch sind Aufwand und Kosten für die Technik vergleichsweise groß.

Der BDI fordert deshalb, den Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes voranzutreiben. Denn auch in einer Wasserstoffwirtschaft werde Deutschland langfristig Energie-Importeur bleiben.

Als limitierender Faktor für die Verbreitung von “grünem Wasserstoff” gilt aber nicht zuletzt der Ausbau der Erneuerbaren. Der Bund für Umwelt und Naturschutz betont, dass Power To X nicht per se klimafreundlich sei. Nötig seien deshalb von Anfang an verbindliche Nachhaltigkeitsregeln für die Technologie.

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