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Havep: Existenzsichernde Löhne im Textilsektor

HAVEP-Atelier in Skopje (Copyright@HAVEP)

Niederländisches Familienunternehmen stellt Nachhaltigkeit strategisch auf

Düsseldorf (csr-news) – Bei dem niederländischen Familienunternehmen steht heute die 5. Generation in der Verantwortung. Anna van Puijenbroek ist Gesellschafterin und CEO bei dem Anbieter von Berufskleidung. „Für unseren Vater und unsere Großmutter war Nachhaltigkeit bereits ein wichtiges Thema, auch wenn sie es nicht mit diesem Begriff benannt haben“, sagt van Puijenbroek. Die gegenwärtige Generation der Familienunternehmer hat sich für eine strategische Integration von Nachhaltigkeit in das Unternehmen entschieden. „Wir wollen einen positiven Impact auf die Gesellschaft haben. Und wir glauben, dass wir mit einem verantwortungsvollen Wirtschaften die Welt zu einem besseren Planeten machen können“, so van Puijenbroek.

Existenzsichernde Löhne

Havep orientierte sich zunächst an dem Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung, der sogenannten Triple bottom line mit den Kernelementen People, Planet und Profit (3P). Als erstes nachhaltigkeitsrelevantes Thema aus dem Segment „People“ identifizierten die niederländischen Unternehmer das Thema „existenzsichernde Löhne“. Van Puijenbroek: „Eine verantwortungsvolle Gehaltsstruktur lässt sich auch ohne komplexe technologische Umstrukturierungen einführen.“ Havep besitzt eigene Produktionsstandorte in Mazedonien und Tunesien und lässt in diesen Ländern in anderen Betrieben fertigen.

Für die Berechnung existenzsichernder Löhne kooperiert Havep mit der Fair Wear Foundation. Diese liegen in beiden Ländern etwa 30 Prozent über den gesetzlichen Mindestlöhnen. Die Zahlung solcher Gehälter bei Lieferanten durchzusetzen ist mitunter kompliziert, da Havep für viele Unternehmen nicht der einzige Kunde ist. Dann gelte es, in den Dialog mit anderen dort sourcenden Unternehmen zu treten und auch diese zu überzeugen. Van Puijenbroek weiter: „Wir müssen existenzsichernde Löhne zahlen; es ist doch verrückt, wenn Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können.“

Den Lohnkostenanteil in den Havep-Produkten sieht van Puijenbroek – produktabhängig – bei etwa 30 Prozent. „In der Familie haben wir uns gesagt: Das wird Geld kosten.“ Aber die Geschäftsführerin verweist auch auf die mit der verantwortungsvollen Lohnzahlung verbundenen ökonomischen Vorteile, etwa eine geringere Mitarbeiterfluktuation, weniger krankheitsbedingte Ausfälle und die höhere Arbeitsmotivation. Effizienzsteigerungen könnten die mit existenzsichernden Löhnen verbundenen höheren Kosten ausgleichen.

Produktlebenszyklus

Anna van Puijenbroek (Copyright: Stijn Rompa)

In einem nächsten Schritt wandte sich Havep der Umwelt zu. Das Textilunternehmen orientiert sich hierbei an den Modellen der Ellen Macarthur Foundation zu einem zirkulären Wirtschaften. „Das ist mehr als Recycling, denn Recycling alleine kann zu Qualitätsrückgängen führen“, erläutert van Puijenbroek. Es gehe darum, Polyester und künstliche Farbstoffe so wenig wie möglich einzusetzen und stattdessen Materialien mit natürlichem Ursprung – etwa Naturfarben – zu nutzen. Und: „Je länger Kleidung genutzt wird, um so besser.“ Laut van Puijenbroek kann dies etwa für die Vermieter von Berufskleidung zugleich ein Business Case sein.

Messen und berichten

Havep hat bereits Environmental Cost Indicator – Kennzahlen, die gesellschaftliche Auswirkungen von Baumwoll- oder Polyestereinsatz in Euro wiedergeben – gebildet. Das Textilunternehmen arbeitet an einem umfassenden Kennzahlensystem und will in Zukunft auch dazu berichten. Allerdings steht van Puijenbroek solchen Berichten zwiespältig gegenüber: „Man braucht Transparenz, um den eigenen Impact nachzuweisen. Allerdings informiert ein solcher Bericht zugleich die Wettbewerber.“ Zudem fehle bisher ein Kennzahlensystem, das Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen über alle Branchen hinweg vergleichbar mache.

Innovative Mitarbeiter

Das Nachhaltigkeitsengagement von Havep inspiriert auch die Mitarbeiter des Unternehmens und fördert deren Sensibilität und Kreativität. Aus der Belegschaft kamen etwa Ideen für die Wiederverwendung von Verpackungskartons. Ein Mitarbeiter stellte den Kontakt zu einem Freund her, der nun mit den Schnittabfällen von Havep seine Boxsäcke füllt. „Wenn wir alle einen kleinen Schritt gehen, dann machen wir zusammen einen großen Schritt“, sagt van Puijenbroek.

HAVEP im Internet: https://www.havep.com/de-de

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