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Digitalisierung verändert Nachhaltigkeits-Kommunikation

Dr. Uwe Vorkötter auf dem CSR-Kommunikationskongress (Achim Halfmann / CSR NEWS)

3. CSR-Kommunikationskongress tagt in Osnabrück

Osnabrück (csr-news) – Digitalisierung verändert das Nachhaltigkeitsmanagement in der Lieferkette ebenso wie die CSR-Kommunikation dazu. Tanja Reilly von der Ratingorganisation EcoVadis sieht „einen starken Trend zu kollaborativen Plattformen“. Das schaffe Transparenz und bringe Unternehmen zugleich in eine neue Situation, denn Daten „geraten außerhalb meines eigenen Wirkungskreises.“ Reilly sprach auf dem 3. CSR-Kommunikationskongress am 14. November in Osnabrück. In dem Seminar zu digitalen Lösungen für die CSR-Kommunikation ging es auch um “Künstliche Intelligenz“. „KI ist das, was uns am schnellsten in einer ganz großen Geschwindigkeit erreicht“, so Reilly. Sie könne die Schnelligkeit der Datenverarbeitung enorm erhöhen und zu mehr Transparenz beitragen. Zugleich seien mit der Anwendung von KI viele ethische Fragen verbunden: „Von welchen Daten lernen wir? Lernen wir mit den richtigen Algorithmen? Treffen wir die richtigen Entscheidungen?“ Bei EcoVadis seien vor etwa 10 Jahren noch 800 Datensätze täglich analysiert worden, heute seien es pro Tag über 100.000 Datenquellen – war der Einsatz von KI möglich mache.

Als weiteren digitalen Trend in CSR-Management und -Kommunikation nannte Reilly den Einsatz sogenannter „Ground Sourcing Technologies“, etwa zur Entgegennahme von Mitarbeiterstatements aus Unternehmen entlang der Lieferkette: Solche Verfahren habe EcoVadis in Kooperation mit den Startup Ulula erprobt. An Bedeutung gewonnen habe der – allerdings sehr aufwändige – Einsatz von Blockchains, etwa zur verlässlichen Erfassung von Nachhaltigkeitsaspekten in Lieferketten, sowie der Einsatz von Satelliten und Drohnen, der allerdings keine Informationen zu sozialen Themen generiere.

Veranstaltet wird der CSR-Kommunikationskongress vom Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) in Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, B.A.U.M. und der Deutschen Public Relation Gesellschaft (DPRG). Laut Organisator Frank Simon sei dieser Kongress „noch stärker auf Kommunikation konzentriert“, Managementthemen stünden im Hintergrund. An verschiedenen Stellen komme das Thema „Digitalisierung“ zur Sprache. Und so gut wie keine Veranstaltung sei ausschließlich mit Akademikern besetzt. Simon: „Wir wollen die Praktiker in unseren Workshops haben.“ Die Einbindung von NGOs in die Veranstaltung sei verbesserungsfähig, die Sicht von innen nach außen darum deutlich stärker repräsentiert als die Sicht von außen nach innen. Gelungen sei die Einbindung von Akteuren, die sich politisch äußerten. Simon sieht hier gesellschaftliche Defizite: „Wo ist die Zivilgesellschaft, die politische Statements von Unternehmen einfordert?“

Mit einem politiknahen Thema, den „Haltungskampagnen“, beschäftigte sich HORIZONT Medien-Chefredakteur Uwe Vorkötter in seiner Keynote. Haltung zu zeigen und einzufordern sei ein gesellschaftlicher Trend – und habe seinen Ursprung nicht in der Unternehmenswelt. „Marketing ist in Wahrheit kein Trendsetter, sondern es läuft Trends hinterher“, so Vorkötter, der mit Blick auf das Data Mining ergänzte: “Im digitalen Marketing verführen wir nicht unsere Kunden, sondern wir stalken sie.“ Gefragt sei nachhaltiges Wirtschaften, bevor ein Unternehmen – etwa zu Menschenrechtsthemen oder in der Klimadebatte – Haltung zeigen könne. Deutlich kritisierte Vorkötter mit Bezug auf die politische Situation Hongkongs das Verhalten einiger Konzerne. So habe etwa Versace nach Kritik aus China ein T-Shirt zurückgezogen, in dessen Aufdruck Hongkong erwähnt und nicht der Volksrepublik zugeordnet wurde – und sich zudem überschwänglich dafür entschuldigt. „Unterwerfung ist auch eine Haltung, ob es aber die ist, die Unternehmen langfristig weiterbringt, daran habe ich meine Zweifel“, sagte der Chefredakteur.

Der 3. CSR-Kommunikationskongress dauert noch bis zum 15. November:
https://www.csr-kongress.de/

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