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Konsumfreies Selbstversorger-Leben in der Millionenstadt

Francesco Gallarotti auf Unsplash

US-Aktivist ging ein Jahr lang nicht einkaufen

Von Leila Macor

Orlando (AFP) – Wildbret mit Sauerkraut, gewürzt mit Kurkuma, Knoblauch, Koriander, Dill und Chili, gekocht in Kokosmilch, dekoriert mit ein paar nährstoffreichen Moringa-Blättern. Das ist das Frühstück von Rob Greenfield an diesem Tag. Das Besondere daran ist nicht nur die Zusammenstellung, sondern die Herkunft: Alle Zutaten hat der 33-Jährige selbst angebaut oder, wie das Reh, am Straßenrand aufgesammelt. Denn der Umweltaktivist aus Orlando in Florida hat ein Jahr lang nicht in Geschäften eingekauft.

Hundertprozentige Selbstversorgung – das war die Herausforderung, die sich Greenfield in den vergangenen zwölf Monaten auferlegt hat. “Die Natur war mein Garten, meine Vorratskammer und meine Apotheke”, resümiert er am Ende des Experiments. Als Ort dafür hat er sich kein Dorf, sondern die Millionenstadt Orlando in Florida ausgesucht. Dort herrscht subtropisches Klima – ideal, um rund ums Jahr zu pflanzen und zu ernten.

“In diesem Jahr bin ich weder in einen Lebensmittelladen, noch in ein Restaurant oder auf ein Bier in eine Bar gegangen”, erzählt Greenfield, barfuß und in derselben Hose und demselben T-Shirt, die er auch in den meisten seiner YouTube-Videos trägt. Unter diesen Umständen scheute er sich auch nicht, tot gefahrene Tiere von den Straßen zu klauben und auf seinen Speiseplan zu setzen.

Der Umweltaktivist hat eine Mission: “Ich will die Menschen inspirieren, ihre Ernährung zu überdenken und zu ändern, ihre Lebensmittel selbst anzupflanzen und die Bauern vor Ort zu unterstützen. Das ist besser für die Welt und uns selbst.”

Für die Dauer des Experiments überließen ihm Hausbesitzer ihren Garten. Dort baute Greenfield sich eine einfache Hütte mit Trockentoilette. Als Klopapier dienten Blätter. “Die sind weicher als alles, was man im Laden kaufen kann”, sagt der 33-Jährige.

Die Rasenfläche verwandelte Greenfield in einen üppigen Garten. Dort gedeihen Papayas, Bananen, Süßkartoffeln, Auberginen, Gurken, Paprika und viele weitere Gemüse, Früchte und Kräuter im Überfluss. In einer Freiluftküche lagert selbst Eingemachtes und der Honig der eigenen Bienen. Und das Salz? “Ich gehe zum Meer und hole Salzwasser. Ich koche es, bis das Wasser verdampft”, erklärt er.

Bis vor acht Jahren lebte Greenfield ein “ziemlich typisches amerikanisches Leben”, wie er selbst sagt. Sein Ziel damals: “Mit 30 Millionär zu sein.” Dann beschloss er, ein einfacheres Leben zu führen, löste seine Marketingfirma auf und wurde Aktivist.

Aufmerksamkeit erregte Greenfield zum ersten Mal, als er sich all den Müll, den er produzierte, umhängte und so durch New York lief. Danach begann er, weggeworfene Lebensmittel aus Containern zu retten, um so auf die Verschwendung aufmerksam zu machen. Er finanziert sich mit den Einnahmen aus Büchern und Vorträgen. Im vergangen Jahr waren das 8000 Dollar (7266 Euro) – ein Einkommen deutlich unter der Armutsgrenze.

“Mir geht es um die Botschaft und ich denke, ich sollte davon nicht reich werden”, sagt Greenfield. Die meisten Einnahmen spende er. “Ich bin überzeugt vom einfachen Leben und ich denke, es wäre schwer, mit einem Haufen Geld genügsam zu leben.”

Was genau nach dem Selbstversorgerexperiment kommt, weiß Greenfield noch nicht. Er möchte auf Weltreise gehen, um mit seinen Ideen für ein nachhaltiges Leben möglichst viele Menschen zu inspirieren. Mit seinen Erfahrungen aus dem konsumfreien Jahr dürfte es Greenfield leicht fallen, die Welt auch ohne Geld kennenzulernen.

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