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Klimaschutz als „Geschäftsmodell des Jahrhunderts“

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UVG-Vorstand Dr. Christoph Golbeck berichtet über die 4. Jahreskonferenz der Stiftung 2°

Berlin (UVG) – Wie kann sich aus „Investitionen in Klimaschutz“ das neue „Geschäftsmodell des Jahrhunderts“ ergeben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Jahreskonferenz der „Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz“. Die halbtägige Veranstaltung fand am 27. November in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in statt.

In seinem Eingangsstatement betonte Andreas Gehlhaar, Leiter Umwelt der Deutsche Bahn AG, die Dimension des Rebound Effekts, welcher wirtschaftliche Erfolge im Klimaschutz aus ökologischer Sicht oft wieder aufhebt und damit infrage stellt. Gehlhaar wurde sehr deutlich: Klar sei zum Beispiel, dass die Bahn sehr viel attraktiver werden müsse, wenn die Verkehrswende gelingen solle. Diese Zukunft, so Gehlhaar, wäre aber nicht zum Nulltarif zu haben.

Aus Sicht des Bahndienstleisters fordert er ein ganz neues Bewusstsein, um Nah- und Fernverkehr in neuer Dimension zum Massenverkehrsmedium zu machen. Dafür würde der Schienenverkehr eine deutlich erhöhte Taktung, aber auch neue Strecken benötigen – und die „werden durch irgendwelche Gärten führen“. Aus diesem Grund unterstrich Gehlhaar vor allem die Bedeutung anstehender gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse für die effektive Begrenzung des Klimawandels. Diese werde von der Politik jedoch häufig in die Zukunft verlagert. Deswegen forderte er, möglichst umgehend in eine gesamtgesellschaftliche Diskussion einzusteigen, um Konsens über das Infragestellen von Komfortzonen und die damit verbundenen Investitionsanforderungen herzustellen.

Hier hakte Prof. Dr. Ottmar Edenhofer ein. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung führte in seiner Keynote anschaulich aus, wie ungenügend die bisherigen politischen Einigungen auf eine effektive Bepreisung von CO2-Emmissionen ausfallen. Edenhofer stellte fest, dass der wenig ambitionierte aktuelle Klimaschutzplan der Bundesregierung nicht ausreichen werde, um die seit 2016 festgelegten Sustainable Development Goals zu erreichen. Dabei unterstrich er, dass alle Gründe für das ungenügende politische Handeln, die er im vergangenen Jahr gehört habe, mit Blick auf den Schutz ärmerer Bevölkerungsgruppen formuliert wurden. In seinem eloquenten Input für die Jahreskonferenz identifizierte er die sich daraus ergebende unzulängliche Implementierung als klassische Vermeidungsstrategie der Bundespolitik. Edenhofer fasste zusammen:

„Wir müssen endlich aufhören, Klimapolitik zu betreiben, indem man sie vor den Leuten verbirgt!“. Vielmehr plädiere er dafür, die Öffentlichkeit ganz klar ins Boot zu holen, um alle Bürger an der notwendigen Innovation für den Klimaschutz zu beteiligen. In seinem persönlichen Ausblick lenkte er den Fokus auf die neue EU-Kommission. Sie werde nach seiner Einschätzung den Druck deutlich erhöhen. Er sagte vorher, dass die Bundesregierung ihren Klimaschutzplan gerade auch deswegen deutlich werde nachbessern müssen.

Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorsitzender des Vorstandes der Salzgitter AG, ergänzte dies nachdrücklich als Vertreter der energieintensiven Wirtschaft, indem er faktenreich darlegte, wie eine CO2-arme Stahlproduktion bereits heute technisch möglich sei. Dafür habe die Salzgitter AG mit dem sogenannten SALCOS-Verfahren einen Weg der Stahlherstellung entwickelt, der in der Produktion um 95% weniger CO2 emittiere als bisherige Verfahren. Allein die Anreizsituation aufgrund falscher Regulierungen (keine CO2-Bepreisung) hindere die Pioniere seine Branche daran, diese innovativen Produktionsweisen bereits heute zu skalieren.

Es war jedoch der Beitrag der jüngsten Podiumsteilnehmerin, deren inspirierte Anmerkung am deutlichsten Applaus im Auditorium bewirkte. Hannah Helmke, Gesellschafterin der right.based on science UG, stellte als Mitgründerin eines „Climate Change Start-Ups“ ein selber entwickeltes Auswertungstool vor, mit dem der CO2-Fußabdruck von Unternehmen und jeder wirtschaftlichen Einheit bestimmt werden kann. So veröffentlichte right.based erst in diesen Tagen eine Simulation der Klimabilanz der 30 größten DAX-Konzerne. Die Ergebnisse seien vernichtend. Demnach erreiche kein einziges der analysierten Unternehmen bisher das 1,5 Grad-Ziel. Vielmehr werde sich unsere Welt teilweise um bis zu 10 Grad aufheizen, wenn in der ganzen Weltwirtschaft so viele Ressourcen verbraucht werden würden wie unter den derzeitigen Produktions- und Arbeitsbedingungen einiger der größten Unternehmen Deutschlands, so Helmke.

Die Stiftung 2° im Internet: www.stiftung2grad.de

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