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Lustige Videoclips – und Zensur

Diego Passadori auf Unsplash

Die chinesische App TikTok steht zunehmend in der Kritik

Peking/Mumbai (AFP) – Die zeitweise Löschung eines chinakritischen Videos hat die Videoplattform TikTok in die Schlagzeilen gebracht. Für hunderte Millionen Jugendliche auf der ganzen Welt gehört die von einem chinesischen Unternehmen betriebene App zu ihrem digitalen Alltag, doch inzwischen steht sie zunehmend in der Kritik.

Vergangene Woche überschritt TikTok die Marke von 1,5 Milliarden Downloads und ist damit auf mehr Smartphones zu finden als die App des Fotonetzwerks Instagram. Nutzer können damit 15 bis 60 Sekunden lange Videos erstellen: In den Clips wird getanzt, es finden sich Parodien, Sketche und viele Schönheitstipps.

Mithilfe künstlicher Intelligenz ermittelt die App Vorlieben der Nutzer und schlägt ihnen immer weitere Videos vor, die sie dann manchmal über Stunden gebannt ansehen.

Jeder, der ein Smartphone besitzt – sei es ein Teenager in den USA oder ein indischer Slumbewohner – kann mit TikTok seine eigene kleine Geschichte in die Welt schicken und auf Publikum und Zustimmung hoffen. “TikTok-Videos funktionieren, weil sie unbearbeitet sind, Jugendliche haben dadurch einen besseren Bezug dazu – und je nach Beliebtheit verdienen sie auch Geld damit”, sagt Meenakshi Tiwari vom US-Marktforschungsunternehmen Forrester Research.

Am weitesten verbreitet ist TikTok in Indien: 40 Prozent der 800 Millionen Nutzer leben dort. Zweitgrößter Markt ist China, dort heißt die App Douyin und wird vielfach von Influencern zur Vermarktung genutzt.

Hinter TikTok steht das chinesische Unternehmen ByteDance, das die App im September 2017 auf den Markt brachte, zunächst unter dem Namen musical.ly. ByteDance gehört dem 36-jährigen Tech-Unternehmer Zhang Yiming, der laut dem Hurun-Report mit einem Vermögen von 13,5 Milliarden Dollar (12,3 Milliarden Euro) zu den derzeit 20 reichsten Chinesen zählt. Für seine Angebote in China beschäftigt ByteDance tausende Zensoren.

In den vergangen Tagen geriet TikTok international in die Schlagzeilen, weil es das Video einer 17-Jährigen aus den USA gelöscht hatte, in dem sie – versteckt in einer harmlos wirkenden Schminkanleitung – die Verfolgung muslimischer Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang anprangert. Die Betreiber bestritten, dass der Clip wegen seines Inhalts entfernt worden sei – stattdessen sprachen sie von einem “menschlichen Fehler”.

Es war nicht das erste Mal, dass Vorwürfe gegen TikTok laut wurden. Einer lautet, die App würde zur Verbreitung von Kinderpornografie beitragen. In Bangladesh kann die App deshalb nicht mehr genutzt werden, in Indien wurde der Zugang im Frühjahr zeitweise gesperrt.

In den USA wurde eine hohe Geldstrafe gegen TikTok verhängt, weil die App gegen die Datenschutzrichtlinien für Kinder verstieß. Die US-Regierung will außerdem prüfen, ob die App Daten an die chinesischen Behörden weiterleitet.

In Indien wurde den App-Betreibern ebenfalls Zensur vorgeworfen, nachdem im Juli die Konten von vier der größten TikTok-Stars gesperrt worden waren. Sie hatten in ihren Videos den Lynchmord eines muslimischen Jugendlichen durch einen hinduistischen Mob kritisiert.

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